Wenn zwei sich streiten ...

Seit Anfang April werden im Rathaus Schiedsamtssprechstunden angeboten

Wenn der berühmte Knallerbsenstrauch dem Nachbarn ein Dorn im Auge ist, kann der Schiedsmann helfen. Karl-Heinz Brächter ist einer der drei Schiedspersonen in Gladbeck und das bereits seit mehr als 13 Jahren. Die Tätigkeit des Schiedsmannes (der Name trügt, denn es gibt auch viele Frauen in dieser Funktion) erstreckt sich jedoch über den klassischen Nachbarschaftsstreit hinaus und dient der Entlastung der Gerichte bei Strafsachen wie Hausfriedensbruch, Beleidigung, Sachbeschädigung oder Körperverletzung. „Meistens ist es jedoch der Dreck im Vorgarten, der falsch gesetzte Zaun, die laute Musik aus dem Keller des Nachbarhauses“, weiß Karl- Heinz Brächter zu berichten. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Hilfesuchenden immer mehr zurückgegangen.

Grund genug für Karl-Heinz Brächter zu überlegen, woran das liegen könnte. „Leider wissen viel zu wenig Gladbecker Bürgerinnen und Bürger, dass es uns überhaupt gibt. Denn die Zahlen der Streitfälle, die vor Gericht landen, zeigen, dass es nicht am Mangel an Zwistigkeiten liegt, dass wir seltener angefragt werden“, bedauert der Vorsitzende der Schiedsmannvereinigung Bottrop/Gladbeck die fehlende Resonanz. Da die Polizei nicht befugt ist, die Streithähne auf die Funktion des Schiedsmannes hinzuweisen, geht es oftmals direkt zum Anwalt, wenn der Ärger nicht mehr auszuhalten ist. Schiedspersonen sollen einspringen, um die Gerichte zu entlasten und in einem außergerichtlichen Güteverfahren den Streit beizulegen.

Das spart nicht nur Zeit und Nerven, sondern auch Geld. Der Friedensdienst kostet den Antragsteller 40 Euro, von dem er in der Regel die Hälfte vom Gegner zurückerhält, wenn es zu einer Schlichtung gekommen ist. „In sehr vielen Fällen kommen Menschen zu mir, die sich zuvor prima verstanden haben und als Nachbarn beispielsweise lange Zeit freundlich und herzlich miteinander umgegangen sind, vielleicht sogar Freunde waren. Irgendwann kommt es zum Knall und Kleinigkeiten geraten zum Streitpunkt“, erzählt Karl-Heinz Brächter ein wenig aus dem Nähkästchen. Doch auch bürgerlich-rechtliche Streitigkeiten wie Schadensersatz oder Schmerzensgeld werden per Friedenspfeife geregelt. „Das Ganze findet bei mir zuhause im Wohnzimmer statt.“ Dort herrscht eine ruhige und entspannte Atmosphäre und die Gegner sind endlich mal gezwungen, einander zuzuhören. Die Aufgabe des Schlichters ist es, ebenfalls zuzuhören und die gegnerischen Parteien durch Verständnis und Hilfestellung zueinander finden zu lassen.

Das ist völlig unbürokratisch, jedoch mit rechtskräftiger Folge. Die Streithälse unterschreiben ein Formular, das wie ein Urteil vor Gericht standhält. Gladbeck ist in drei Schiedsamtsbezirke aufgeteilt: Zweckel/Rentfort, Gladbeck-Mitte/Ellinghorst und Butendorf/Brauck. In jedem Bezirk gibt es eine Schiedsperson sowie ihren Stellvertreter. Die Schiedspersonen werden vom Rat der Stadt Gladbeck für die Dauer von fünf Jahren gewählt. Die Tätigkeit ist ehrenamtlich. Seit April findet versuchsweise an jedem ersten Mittwoch im Monat eine Schiedsamtssprechstunde mit Karl-Heinz Brächter in Zimmer U 33 im Neuen Rathaus von 16 bis 18 Uhr statt. statt, um die Hemmschwelle des Anrufs herabzusetzen. „Wir erhoffen uns davon, mehr Menschen auf dieses Angebot aufmerksam zu machen“, sagt der Schiedsmann. gj

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