Werner Münstermann geht in den Ruhestand

Nach 46 Jahren verabschiedet sich der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Kirchhellen eG Bottrop, Werner Münstermann, aus dem Berufsleben

Herr Münstermann, nach langen Jahren verlassen Sie die Volksbank und gehen in den Ruhestand. Fällt Ihnen der Abschied schwer?

In den Ruhestand zu gehen, das ist ja nicht nur ein Abschied. Es ist auch ein Neuanfang. Ich habe jetzt endlich mehr Zeit für die Menschen, die auf mich aus beruflichen Gründen verzichten mussten. Und ich kann jetzt mehr bei mir zu Hause auf dem Hof werkeln. Das finde ich schön. Wer mich kennt, der weiß aber auch, dass der Abschied von Kollegen, Mitarbeitern und Weggefährten mich berührt. 36 Jahre im Vorstand und 46 Jahre im Beruf – da ist man längst zum Bestandteil eines lebendigen Netzwerks geworden.

 


War es immer Ihr Wunsch Banker zu werden?

Nein, als Kind und als Jugendlicher stand bei mir Landwirt ganz oben auf der Liste. Aber dann wurde ich beim Sonntagsausritt in meiner ostwestfälischen Heimat praktisch von der Straße weg für die örtliche Spar- und Darlehenskasse gecastet. So nennt man das ja heute ...


Wenn Sie einen Blick zurückwerfen, was hat Sie in Ihren Berufsjahren besonders geprägt?

Ich habe die genossenschaftliche Idee der Selbstverantwortung, Selbsthilfe und Selbstverwaltung von Anfang an als richtig und sympathisch empfunden. In all den Jahren hat sich dieser erste Eindruck stets verstärkt: Wir sind ganz nah dran an unseren Mitgliedern und Kunden, wir sind in der Region, wir investieren hier vor Ort.
Auch in den Zeiten, wo ein solches Geschäftsmodell als langweilig galt, fand ich es richtig und gut. Und heute sehen wir ja den langfristigen Erfolg. Wir kümmern uns um Generationenpartnerschaft – nicht um Quartalsberichte. Und das ist bei unseren Mitgliedern und Kunden stets gut angekommen. Für dieses Vertrauen bin ich sehr dankbar.


Momentan steckt die Finanzwelt in einer Krise und die Zeiten scheinen nicht besser zu werden, wie schätzen Sie die aktuelle Finanzlage ein?
Was bedeutet das für Ihre Volksbank?


Der Volksbank Kirchhellen eG Bottrop geht es gut. Sie steht auf finanziell soliden Füßen, baut ihr Eigenkapital kontinuierlich aus, übersteht jeden Stresstest und hat – das ist das Wichtigste – gute Leute. Und zwar im direkten Kundenkontakt genauso wie an der Spitze. Ich wünschte mir, das könnte man über alle Finanzdienstleister sagen. Doch wo nur der Aktienkurs zählt und der Jahresgewinn zweistellige Renditen abwerfen muss, sieht es anders aus: Da wird wieder heftig auf internationaler Bühne gezockt, gegen den Euro spekuliert und so weiter. Dafür braucht man möglichst junge, möglichst smarte Gewinnertypen. Leute, die vor ihrem Gewissen gut verantworten können, das diejenigen alles verlieren, die mit ihnen Geschäfte machen. Hier finde ich, muss die Gemeinschaft der Staaten eingreifen und regulieren. Aber im Moment fällt der Politik nur ein, alle Banken in einen Topf zu werfen – und bei Auflagen und Stresstests keinen Unterschied zu machen zwischen Volksbanken und Hedgefonds. Das ist schädlich – gerade auch für den deutschen Mittelstand und die privaten Kunden in unserem Land.


In diesem Jahr jährt sich die Einführung des Euro zum zehnten Mal. Sie haben die Umstellung nicht nur als Privatperson, sondern auch als Banker erlebt, war und ist der Euro für Sie Fluch oder Segen?

Ganz klar: Segen. Wir haben ja auch keine Euro-Krise, sondern eine Staatsschuldenkrise und eine Finanzmarktkrise. Die einheitliche Währung macht uns stark. Kaputte öffentliche Haushalte und Finanzkonzerne, die zocken, machen uns schwach. Da sollte man also nichts am Euro ändern, sondern an der Politik und an der Regulierung.


Vielen Dank für das Gespräch!

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