Reken - Seit mehreren Jahren unterhält die Elisabeth-von-Thüringen-Realschule (EvT) eine Schulpartnerschaft mit dem Gimnazjum Nr. 1 in Rydultowy. Rektor Albert Steinkamp und Winfried Heß, Lehrer an der EvT, haben die Partnerschaft zusammen mit ihren polnischen Kolleginnen und Kollegen aufgebaut. Entstanden ist der Kontakt auf Initiative von Dominika Urbanek aus Rybnik, die vor rund 20 Jahren während eines Schüleraustausches in Dorsten, der Partnerstadt von Rybnik, weilte.
Als Erwachsene und Lehrerin am Gimnazjum Nr. 1 in Rydultowy wandte sie sich an den Verein „Freundeskreis Rybnik“ mit der Bitte, bei der Suche nach einer Partnerschule für das Gymnasium behilflich zu sein, woran die Elisabeth-von-Thüringen-Realschule sehr interessiert war. „E-Mails gingen hin und her, wobei wir der Meinung waren, lange zu schreiben, das bringt nichts, wir fliegen mal rüber“, so Albert Steinkamp. Dem folgte der erste Schüleraustausch im Jahr 2009. Diese sind mittlerweile zu einem festen Bestandteil der Programme beider Schulen geworden.
„Die Besuche finden in halb- bis dreivierteljährlichen Abständen statt, je nach finanziellen Möglichkeiten“, berichtet der Rektor, der auch nicht unerwähnt lässt, dass die Schule von der Gemeindeverwaltung in ihrem Bemühen um internationale Kontakte zwischen den Schulen stark unterstützt wird. In jeder der Begegnungen hätten die Schülerinnen und Schüler rasch zueinander gefunden. Es habe sich gezeigt, dass die Themen der Jugendlichen unbelastet von politischen Gegebenheiten sind und dass sie eher die heutige Welt der jungen Menschen vergleichen. „Generell verständigen sich die polnischen und deutschen Schüler in den drei Sprachen Englisch, Deutsch, Polnisch und der Sprache der Gestik“, berichtet der Schulleiter Albert Steinkamp. Während des Aufenthaltes wohnen die Schüler jeweils in Gastfamilien, lernen hier Kultur, Land und Leute kennen.
„Dort gab es einen tränenreichen Abschied, denn wir alle werden diesen Austausch in guter Erinnerung behalten“, steht als letzter Satz unter einem Besuchsbericht der Schülerinnen und Schüler, oder: „Doch wir freuen uns alle auf den Gegenbesuch und können es nur weiterempfehlen, an so einem tollen Austausch mit interessantem Programm und netten Leuten teilzunehmen“, und: „Der Abschied fiel uns allen schwer, aber wir freuen uns schon alle auf das Wiedersehen in Polen.“ Sätze, die für sich sprechen!
Auf nach Polen!
„Das Kennenlernen haben wir hinter uns gebracht“, resümieren der erste Beigeordnete Gottfried Uphoff und Hauptamtsleiter Stephan Nienhaus den Besuch der Delegation aus Rydultowy. Und nicht nur das. Den positiven Ratsbeschluss vorausgesetzt, wird aller Voraussicht nach im September in Rydultowy die Partnerschaftsurkunde zwischen der polnischen Stadt und Reken unterzeichnet.
Deutschland und Polen haben eine gemeinsame Grenze und sie sind füreinander wichtige Nachbarn. Aus territorialer Sicht ist die Nachbarschaft zu Polen ähnlich wie die zu Frankreich. Anders ist die Entwicklung der nachbarschaftlichen Beziehung einzustufen. Während die Beziehungen zu Frankreich unproblematisch sind, gibt es zwischen Polen und Deutschen noch immer viele Vorurteile, oft geschürt von politischen Lagern in beiden Ländern. Vor diesem Hintergrund unternehmen die Gemeinde Reken und die Stadt Rydultowy nun Anstrengungen, die Beziehungen über den Rahmen der Schulen hinaus auszuweiten. Möglich macht es das Programm „Comenius Regio“ der EU-Kommission. Es bietet dazu eine finanzielle Förderung. In Deutschland verwaltet der Pädagogische Austauschdienst im Auftrag der Kultusministerkonferenz die Antragstellung. Das Projekt von Reken und Rydultowy hat den Titel „Kunst und Sport – Ein Vergleich der schulischen und außerschulischen Bildungsmöglichkeiten für Jugendliche in Rydultowy und Reken“. Dabei stehen die Jugendlichen im Mittelpunkt. Sie werden nicht nur auf der schulischen Ebene, sondern auch im Freizeitbereich angesprochen.
Weitere Projektpartner sind die „Rekener Farbmühle“ als Kunstverein und der VfL Reken im Bereich des Sports. Auch die polnische Seite ist mit außerschulischen Partnern vertreten. Dazu gehören die Einrichtungen „Ognisko Pracy Pozaszkolnej” und „Uczniowski Klub Sportowy Ognisko”. Ognisko Pracy Pozaszkolnej ist eine außerschulische Bildungseinrichtung, die Freizeitangebote für Jugendliche organisiert. Der Sportverein Uczniowski Klub Sportowy Ognisko ist insbesondere im Bereich des Schachspiels aktiv. Die genannten Partner sind verschieden, aber sie haben das gemeinsame Ziel, Jugendliche für sinnvolle Freizeitgestaltung und außerschulische Bildung zusammenzubringen.
Bei dem ersten Besuch in Polen im November vergangenen Jahres habe die Delegation aus Reken eine große Gastfreundschaft erfahren, berichten Uphoff und Nienhaus. „Aufgrund unseres Besuches wurde ein ganzes Schulfest um eine Woche vorgezogen“, so der erste Beigeordnete Gottfried Uphoff. Ein interessantes Projekt sei für die Gemeinde die Bündelung der außerschulischen Bildungsmöglichkeiten in einem Verein. Uphoff möchte erfahren, wie der Verein in Rydultowy aufgestellt ist. Auch sei der Inklusionsgedanke in der Stadt sehr ausgeprägt. Behinderte Schülerinnen und Schüler wären keine außenstehende Gruppe, sondern soweit möglich, im Schulbetrieb integriert. Außerdem bestehe generell eine hohe Bereitschaft, die Talente der Schülerinnen und Schüler intensiv zu fördern. So habe zum Beispiel ein etwa 14-jähriges Mädchen äußerst souverän das zweistündige Programm des Schulfestes moderiert.
Recht beeindruckt hätte sich die Delegation aus Rydultowy, angeführt von der Bürgermeisterin Kornelia Newy und dem Vorsitzenden des Stadtrates Lucjan Swan, bei ihrem Besuch im März in der Windmühlengemeinde zum Beispiel vom ehrenamtlichen Engagement in der Gemeinde gezeigt. „Die Besucher waren erstaunt über die unbezahlte organisatorische Jugendarbeit in den Vereinen“, so Uphoff. Auch das Thema Schuldenfreiheit der Stadtplanung möchte die Stadtverwaltung gerne in weiteren Gesprächen vertiefen. Im Anschluss einer informativen Rundreise durch Reken nahm die Delegation aus Rydultowy an der Gemeinderatssitzung teil. Hier nutzte die polnische Delegation die Möglichkeit sich und ihre Stadt vorzustellen. Durch die Präsentation mit vielen Fotos von Rydultowy erhielten die Ratsmitglieder einen umfangreichen Eindruck von der Stadt und den dort lebenden Menschen. Natürlich stand auch der Besuch der Realschule auf dem Programm.
Neben der Besichtigung der Schule hatte auch der Verein Rekener Farbmühle in Person von Ulla Steinkamp und Ulrike Benson die Gelegenheit sich vorzustellen. Gerne nahmen die Gäste auch den Pinsel in die Hand und stellten ihre kreativen Fähigkeiten unter Beweis. Am Nachmittag fand dann eine Sportkonferenz auf dem Sportplatz am Gevelsberg statt, an dem auch Vorstandsmitglieder des VfL Reken teilnahmen. Auch hier konnten die Besucher aus Polen viele Gemeinsamkeiten feststellen.
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Daten und Fakten zu Rydultowy
Die Stadt Rydultowy zählt etwa 23.500 Einwohner und ist 15 Quadratkilometer groß. In der Stadt gibt es zwei Mittelschulen, drei städtische und zwei private Kindergärten. Die Grundschulen und Gymnasien in Rydultowy werden von rund 2.400 Schülern besucht. Dabei wird ein Schwerpunkt auf das Bildungsniveau der Kinder und Jugendlichen und auf entsprechende Aktivitäten in der Freizeit gelegt. Die Verwaltung führt auch bedeutende Investitionen durch, zum Beispiel den Bau der Sportanlagen mit der künstlichen Fläche „Orlik“ oder den Bau des Kulturzentrums „Feniks“ in Rydultowy. Die Abteilung organisiert, koordiniert und gibt den Anstoß zu den kulturellen, sportlichen und kreativen Aktivitäten.
In diesem Bereich arbeitet die Verwaltung auch mit den NGO (non-governmental organisation) und Partnerstädtenzusammen. In der Stadt gibt es rund 40 Vereine und Sportclubs, von denen ein Teil durch die Stadt finanziert wird. Im Bereich Bildung, Kultur und Sport arbeitet die Stadt mit den Partnerstädten Orlova aus Tschechien und Hvidovre aus Dänemark zusammen. Während der langjährigen Zusammenarbeit wurden bereits viele gemeinsame Projekte realisiert. Dank der Aktivität der Sportvereine ist die Stadt Rydultowy eine sehr aktive Gemeinde. Außer den oben genannten Partnerstädten arbeiten die Vereine auch mit den Städten Dortmund in Deutschland und Eindhoven in den Niederlanden zusammen. Dank dieser Zusammenarbeit nehmen die Sportler an Wettbewerben im Ausland teil.