Einblick in den Operationssaal

Für ihr neues Buch „Was geht im Operationssaal ab?“ schaute Beatrix Alfs, Ärzten bei der Arbeit über die Schulter. Ihre Intention: Patienten die Angst nehmen

Gladbeck - Wer sich in der Wohnung von Beatrix Alfs umschaut, der sucht einen bestimmten Gegenstand vergebens: Die Gladbeckerin zählt nämlich zu der immer seltener werdenden Spezies der Fernsehlosen. Auf die Flimmerkiste kann die 55-Jährige aber gut verzichten. Ihre Leidenschaft gehört nämlich dem Lesen – und seit zwei Jahren auch dem Schreiben. Erst im April ist ihr neues Buch „Was geht im Operationssaal ab?“ erschienen, das Patienten die Angst vor dem Krankenhausaufenthalt nehmen soll. Recherche betrieb sie direkt vor Ort und schaute den Ärzten des St. Barbara-Hospitals bei der Arbeit über die Schulter.

„Ich will Angst nehmen, nicht erzeugen“, sagt Alfs voller Überzeugung. „Wen man etwas kennt, ist alles halb so schlimm.“ Deshalb bereitet sie in ihrem Werk die Leser auf chirurgische Eingriffe vor und dokumentiert ganz genau, was im Operationssaal passiert. „Der 'normale' Bürger kommt nur in den Operationssaal wenn er operiert wird und nicht bei Bewusstsein ist“, so die freie Autorin. Nicht zu wissen, was dort passiert, mache vielen Menschen Angst. „Mit dem Buch möchte ich aufklären, zeigen, was vor, während und nach einer Operation passiert und wie Patienten selbst mithelfen können, Risiken zu vermeiden.“ So begleitete sie die Ärzte eine Woche lang in ihrem Arbeitsumfeld, führte ausführliche Gespräche mit den Patienten und schaute sogar bei einer Operation zu. Überwindung habe sie das nicht gekostet. „Selbstverständlich ist dort auch mal Blut zu sehen, aber das ist ganz normal. Es ist ganz anders als in der Horrorvorstellung vieler Menschen.“

Bereits für ihr erstes Buch „Was geht unter Tage ab?“ begab sie sich auf neues Terrain und begleitete die Kumpel des Bergwerks West Kamp-Lintfort sieben Tage lang bei der Arbeit. Komplett fremd war ihr dieses Thema jedoch nicht: Sowohl ihr Vater als auch ihr Großvater verdienten als Bergmänner ihr Geld. Außerdem ist sie selbst ein echtes Kind des Ruhrgebietes. Geboren und aufgewachsen in Gelsenkirchen-Buer, führte sie ihr Weg nach der Ausbildung zur Bürokauffrau für einige Jahre nach Münster. Schließlich zog es sie zurück in ihr Revier. 30 Jahre lebte sie in Oer-Erkenschwick, heute ist die Mutter von drei erwachsenen Kindern eine Gladbeckerin. Im Jahr 2011 begann die leidenschaftliche Leserin dann, Buchrezensionen zu schreiben. Zwei bis drei Bücher verschlingt und rezensiert sie in der Woche. Anlässlich der Zechenschließungen, entschied sie sich, selbst eines zu schreiben.

„Nachdem das erste Buch fertig war, dachte ich über die Schutzpatronin der Bergleute, die heilige Barbara, nach und stellte im Kopf eine Verbindung zum St. Barbara-Hospital her“, plaudert Alfs aus dem Nähkästchen. So sei sie auf die Idee gekommen, den Operationssaal zum Thema ihres zweiten Buches zu machen. „Ich hatte ohnehin schon immer großes Interesse an allem, was mit der Medizin zu tun hat und mich viele Jahre mit chirurgischen Themen beschäftigt.“ So stellte sie kurzerhand eine Anfrage an das Krankenhaus und stieß auf offene Ohren. „Ich bin von allen Ärzten und der Krankenhausleitung von Beginn an unterstützt worden. Alle waren durchweg freundlich und hilfsbereit“, sagt Alfs. Auch die Reaktion der Patienten war sehr positiv als die Autorin bei der Visite vorgestellt wurde. „Im Anschluss konnte ich mich lange mit einigen Patienten unterhalten und habe viel über ihren Gesundheitszustand, aber auch Privates, erfahren.“ Später ging es dann in den Operationssaal – natürlich mit Einverständnis des Patienten.

Im Buch wird eine Darm-Operation von der Vorbereitung bis hin zur Nachuntersuchung ausführlich mit zahlreichen Fotos dokumentiert. „Der Patient erzählte mir, er habe vor allem Angst vor den anschließenden Schmerzen und befürchte, dass in der heutigen Zeit so viel gespart werden müsse, dass keine Zeit für ihn da ist. Die Sorge war am Ende aber unbegründet: Der Patient wurde bestens versorgt und musste sich so gut wie gar nicht mit Schmerzen quälen.“

Die Zeit im Krankenhaus sei eine äußerst spannende und interessante Zeit gewesen, sagt Beatrix Alfs. „Bei diesem Blick hinter die Kulissen, habe ich viel Neues erfahren.“ Das 90 Seiten starke Werk dokumentiert aber nicht nur den Alltag in einem modernen Krankenhaus, sondern gibt auch einen Einblick in die Medizingeschichte und zeigt, wie in der Vergangenheit operiert wurde. Für eine Fortsetzungen ihrer Reihe hat sie bereits viele weitere Ideen. „Vielleicht besuche ich mal einen Bestatter oder schaue mir die Arbeit am Flughafen an.“ Ihr aktuelles Werk ist übrigens unter dem Namen Beatrix Petrikowski erschienen. Eigentlich steht die Hochzeit mit ihrem Lebensgefährten Michael Petrikowski erst im August bevor. „Der Einfachheit halber steht aber schon der neue Name auf dem Buch.“ Erhältlich ist das Werk zu einem Preis von 14,95 Euro ausschließlich im Internet.
jh

Zurück