Tradition verpflichtet!

Kirchhellener Schützen lassen die Geschichte aufleben und bringen ein Schaf nach Dorsten – Historische Urkunde belegt das „Schafholen“

Kirchhellen - Aus Dankbarkeit für die tatkräftige Hilfe der Dorstener Bürger bei der Verteidigung ihres Hab und Guts versprachen die Kirchhellener anno 1587, alle sieben Jahre, wenn „die Schützen in Dorsten nach dem Vogel schössen“, ihnen ein Schaf zu geben. Diese lange Tradition soll in diesem Jahr am 3. August fortgesetzt werden. Dann rufen das Kirchhellener Schützenpaar Jörg und Gundis die Schützen dazu auf, sie nach Dorsten zu begleiten, wenn sie dort „ihre Schuld“ erfüllen.
 

Ein Blick zurück zeigt die lange Geschichte des „Schafholen“. Denn wärend die Kirchhellener zunächst treu ihr Wort hielten. Vergaßen die Bauern jedoch irgendwann ihre Dankbarkeit und so musste 1752 der Dorstener Stadtrat einen Prozess führen, der erst am 14. Dezember 1762 in Bonn mit einer Entscheidung zugunsten der Dorstener Schützen endete.

Im Juli 1788 nahm eine Dorstener Schützenkompanie bei ihrem „Schafholen“ gleich einen Notar mit, „damit er den Vorgang und die Erklärungen der Kirchhellener Bauern zu Protokoll nähme“, heißt es in den historischen Dokumenten. So mussten die Kirchhellener Bauern, ob sie wollten oder nicht, alle sieben Jahre ein Schaf opfern. Ob dieses Opfer immer rechtmäßig erfolgte, ist nicht belegt. Im Jahre 1804 liefen wegen der gewaltsamen Wegnahme der Schafe bei der Arenbergischen Regierung (das Vest Recklinghausen gehörte zu der Zeit dem Herzog von Arenberg) Beschwerde ein. Daraufhin verbot die Regierung das „Schafholen“.

„Zum Schützenfest 1970 hatte man den alten Brauch des „Schafholens“ erstmals wieder aufleben lassen.  Aloys Haseke und Agnes Warmes waren das amtierende Kirchhellener Königspaar und überreichten bei der 4. Übung auf dem Schulhof der jetzigen Hauptschule den Dorstener Schützen einen Hammel. Mit dieser Geste sollte gleichzeitig auch die gute nachbarliche Beziehung zwischen Kirchhellen und Dorsten bekundet werden“, erklärt Hubert Hüsken, Chronist der Kirchhellener Schützengesellschaft.

Die nächste Schafübergabe erfolgte 1983. Dann holten die Dorstener „ihr“ Schaf  von König Theo Klapheck und Anneliese Langen. „1987 brachten anlässlich der 500-Jahr Feier der Dorstener Altstadtschützen unser Königspaar Leo Jandewerth und Kläre Wittenberg ein Schaf nach Dorsten“, sagt Hubert Hüsken. Die vorerst letzte Übergabe fand 1996 bei der Königsübung auf dem Hof Rickert statt, als König Edmund Rickert und Königin Gertrud Dierkes das Schaf an die Dorstener übergaben.

König Jörg Noltenhans und Königin Gundis Jansen-Garz sind sich einig, dass diese Tradition unbedingt aufrechterhalten bleiben muss. „Wir möchten damit auch deutlich machen, dass die Kirchhellener Bürger-Schützengesellschaft nicht für sich alleine steht, sondern im traditionellen sowie gesellschaftlichen Umfeld ihre Aufgaben erfüllt. Und wenn wir es nun sind, die das Schaf übergeben, erfüllt uns das auch ein bisschen mit Stolz“, sagt Jörg Noltenhans. Aus diesem Grund sind alle Kirchhellener Schützen und natürlich auch alle Interessierten herzlich eingeladen, am Samstag, 3. August mit nach Dorsten zu fahren, um ein Schaf an die Dorstener Altstadtschützen zu übergeben!  Treffpunkt ist am 3. August um 16 Uhr am Brauhaus. Jeder Schütze trägt Gewehr und Mütze! Um 18.30 Uhr wird das Schaf in Dorsten auf dem Marktplatz übergeben. gk

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