Kirchhellen - Melodischer Gesang, farbenfrohe Federkleider und faszinierende Verhaltensweisen: Zahlreiche Vogelarten sorgen in den Kirchhellener Wäldern für Vielfalt und ziehen menschliche Waldbesucher in ihren Bann. Entsprechend groß war die Empörung in Kirchhellen als bekannt wurde, dass ein 74-jähriger Rentner jahrelang einen verbotenen Handel mit einheimischen Waldvögeln betrieben hat. Der Kirchhellener soll die Tiere mit Lebendfallen und Lockvögeln gefangen haben, um sie später nachzuzüchten und zu verkaufen. Und das ist kein Einzelfall.
„Es gibt tatsächlich einen großen Markt für die Nachzuchten von Waldvögeln“, erklärt Klaus Lange, Kreisvorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Bottrop. Bisher wussten nur die wenigsten, dass auf zahlreichen Websites ein reger Handel mit den Tieren betrieben wird. „Dabei ist es so, dass eine Meldepflicht für alle Nachzuchten besteht. Auch wenn man Haustiere hält und diese Nachwuchs bekommen, muss man es melden.“ Ansonsten mache man sich strafbar. „Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ist es auch verboten, wildlebende Vögel einzufangen und Eier aus Nestern zu entwenden oder zu zerstören.“ „Auch im Hinblick auf die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer, die viel Zeit aufwenden, um den Vogelbestand in unseren Wäldern zu dokumentieren, bin ich über so einen Fall empört“, sagt Sigrid Lange, die ebenfalls Vorstandsmitglied im BUND ist. „Das ist unmöglich und hat nichts mit Naturliebe zu tun.“ Dabei müsse bedacht werden, dass die Tiere beim Versuch sie zu fangen nicht nur der Natur entnommen, sondern auch verletzt und vielleicht sogar getötet werden könnten. Zudem benötigen Waldvögel ein großes Gebiet zum Fliegen – das sei in Gefangenschaft natürlich nicht gegeben. „Obwohl der Vogelbestand in den vergangenen Jahren abgenommen hat, sind insgesamt wieder mehr Arten in der Region dokumentiert worden. Umso unverständlicher ist es, wenn Menschen diese Vielfalt zerstören“, so Sigrid Lange weiter. „Jeder Eingriff in die Natur verändert den Lebensraum. Auf lange Sicht gefährdet man auf diese Weise den Bestand.“
Artenvielfalt in Kirchhellen
Dabei haben die Kirchhellener Wälder eine ganze Menge zu bieten. Von der Uferschwalbe über den Eisvogel, den Silberreiher und die Grasmücke bis hin zum Kleiber tummeln sich hier unzählige faszinierende Arten. Da der Lebensraum und die Nistmöglichkeiten immer stärker eingeschränkt werden, nehmen die Bestände vieler Vogelarten jedoch ab. „Umso wichtiger ist es, die vorhandenen Arten zu schützen“, sagt Klaus Lange. „Vögel wie die Mönchsgrasmücke oder der Gimpel stehen noch nicht auf der Roten Liste gefährdeter Arten – sie sind aber nur einen Flügelschlag davon entfernt.“
Selbst Menschen, die nur helfen möchten, können unbeabsichtigt viel falsch machen. „Findet man einen Vogel am Waldrand, sollte man sich zunächst vergewissern, dass es sich nicht um einen Nestflüchter handelt, bevor man ihn anfasst“, fährt der Naturschützer fort. „Wenn Jungvögel ihre Nester verlassen, kann es vorkommen, dass sie sich übernehmen und einige Zeit auf dem Boden sitzen. Das heißt aber nicht, dass sie verletzt sind oder dass die Mutter nicht in der Nähe ist.“ Findet man aber tatsächlich einen verletzten Vogel kann man ihn vorübergehend aufnehmen und pflegen. „Wenn es sich hier um streng geschützte Arten handelt, muss man die Aufnahme der Unteren Naturschutzbehörde melden“, fügt Sigrid Lange hinzu. „Es ist in diesem Fall empfehlenswert, sich an das städtische Veterinäramt oder den BUND zu wenden. Hier gibt es Fachleute, die sich bestens auskennen.“
Aus aktuellem Anlass plant der BUND am Mittwoch, 9. Oktober 2013, eine Veranstaltung zum Thema Vogelschutz. Alle Interessierten sind eingeladen.
Ort und Uhrzeit werden noch im Internet unter www.bottrop.bund.net bekanntgegeben. jh