Schermbeck - „Geht nicht, gibt es nicht“ – zumindest nicht für Norbert Hohmann. Der Leiter der Gesamtschule in Schermbeck ist stets aktiv, wenn es um neue Ideen geht, packt zusammen mit seinem Kollegium neue Projekte an, wo andere schon im Vorfeld zögern und geht für seine Schüler auch gerne neue Wege. Und so ist die Gesamtschule Schermbeck nun auch Teil eines bundesweit einmaligen Projektes, bei dem die naturwissenschaftliche Bildung in einen neuen Fokus gerückt wird.
Konkret geht es um eine Kooperation der Gesamtschule Schermbeck und der Gesamtschule Buer Mitte mit der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen. Ab sofort findet hier nämlich der Physikunterricht für die Schüler der Einführungsphase (ehemals Klasse 11) statt. Grund – es mangelt an Physiklehrern. „Physiklehrer Günther Fraund wurde vor zwei Jahren pensioniert. Das war natürlich im Vorfeld bekannt und daher haben wir schon vor fünf Jahren mit der Suche nach einem Nachfolger begonnen“, sagt Norbert Hohmann. Gefunden hat die Schule jedoch keinen. Und so sah es zunächst danach aus, dass die Gesamtschule Schermbeck keinen Physikunterricht in der Oberstufe anbieten könnte. „Es ist tatsächlich so, dass es viele Nebenfächer gibt, für die man keine Lehrer findet. Latein ist beispielsweise so ein Fach und eben auch Physik.“ Den Physikunterricht in der Oberstufe nicht anzubieten, das kam für Schulleiter Norbert Hohmann allerdings nicht in Frage. „Mit Blick auf die Notwendigkeit natur- und ingenieurwissenschaftlicher Kompetenz für unsere Gesellschaft hielt ich dies allerdings für einen Nachteil, den ich unseren Schülerinnen und Schülern nicht zumuten wollte.“
Ein offenes Ohr und sehr sehr große Unterstützung fand Norbert Hohmann beim Vizekanzler der Westfälischen Hochschule und Professor für Elektrotechnik, Prof. Michael Brodmann. Mit diesem traf sich der Gesamtschulleiter bereits vor zwei Jahren zu einem persönlichen Gespräch. Gemeinsam überlegte man, wie der fehlende Physikunterricht an der Schule aufzufangen sei. Dabei entstand die Idee, einen Physiklehrer zentral an der Hochschule zu platzieren, der Schüler aus verschiedenen Schulen dort unterrichtet. Denn, nicht nur der Gesamtschule Schermbeck mangelt es an Lehrern in dieser Fachrichtung. Für Norbert Hohmann und Prof. Michael Brodmann stand schnell fest, diese Idee kann funktionieren. Nach zwei Jahren intensiver Überzeugungsarbeit bei den Bezirksregierungen in Düsseldorf und Münster wurde dieses Projekt nun als Schulversuch genehmigt. „Besonders unterstützt hat uns auf diesem Weg auch unsere Ministerin Sylvia Löhrmann“, sagt Norbert Hohmann, „sie stand von Anfang an hinter dem Projekt.“ Nun startet dieser bundesweit einmalige Versuch also. Gemeinsam mit der Gesamtschule Buer Mitte findet seit diesem Schuljahr der Physikkurs ab der Einführungsphase (ehemals Klasse 11) an der Hochschule statt. Maren Ruhland, Physiklehrerin an der Gesamtschule Buer Mitte, leitet den Unterricht dort. „Die Bedingungen die unsere Schüler dort vorfinden sind natürlich einmalig. Die Ausstattung einer Hochschule ist eben nicht mit der einer Schule zu vergleichen.“ So steht dem Kurs hier die gesamte Ausstattung der Hochschule zur Verfügung, mit der der Unterricht natürlich noch anschaulicher gestaltet werden kann. Es gibt hier experimentelle Möglichkeiten, die so keine Schule bieten kann.
„Für uns stellte sich natürlich die Frage, wie wir die Fahrt für die Schüler möglichst praktikabel lösen können“, sagt Norbert Hohmann. Daher ist nun der eigentlich freie Dienstagnachmittag für die Schermbecker Physikschüler geblockt. Um 13.20 Uhr geht es mit dem Shuttle-Bus zur Hochschule. Hier erhalten sie drei Stunden Physikunterricht, bevor es dann mit dem Shuttle-Bus wieder zurück geht. 13 Schüler machen sich so jeden Dienstag auf den Weg. „Wir freuen uns, dass Unternehmen der Region sich bereit erklärt haben, die Kosten für den Shuttle-Bus zu übernehmen, ansonsten wäre das alles nicht möglich.“
Die Westfälische Hochschule ist ebenso begeistert von der Kooperation und hofft nach dem Projekt aus der Schülerschaft interessierte und vor allem schon gut vorgebildete Schüler für ein Studium gewinnen zu können. „Und unser Bestreben ist es natürlich, die Schüler bestmöglich auf einen Start ins Berufsleben vorzubereiten“, sagt Norbert Hohmann. Gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel im ingenieurwissenschaftlichen Bereich dürfte ihm das durch dieses Projekt gelingen.
Im kommenden Jahr wird auch die Gesamtschule Bergerfeld sich der Kooperation anschließen. Angelegt ist das Projekt zunächst auf drei Jahre. So wird der Kurs im kommenden Jahr auch als Leistungskurs weitergeführt. „Wir freuen uns, dass dieses Projekt so gut gestartet ist. Trotzdem suchen wir weiter nach einem Physiklehrer für unsere Schule“, ergänzt Norbert Hohmann mit einem Lächeln. gk