Schermbeck - „Hier hat heute jeder die Chance zu zeigen, was er kann, aber auch die Möglichkeit Fehler zu machen“, eröffnet Wolfgang Lensing das Assessment Center-Training der Volksbank Schermbeck und der Barmer GEK für die Zwölftklässler der Gesamtschule Schermbeck. Fehler machen dürfen die Jugendlichen hier noch, aber geht es erst einmal um einen realen Job, dann können Fehler eine Absage und damit eine verpasste Chance auf den Traumjob bedeuten.
Damit die Schüler optimal auf die ungewohnte Situation in einem Assessment Center vorbereitet sind, gab Wolfgang Lensing ihnen wichtige Tipps rund um eine gelungene Selbstdarstellung vor den möglichen Personalentscheidern.
Aber was genau ist überhaupt ein Assessment Center. „Ein Assessment Center ist Teil eines Bewerbungsverfahrens, bei dem es im weitesten Sinne um die Bewertung von Menschen geht. Hierbei werden die Sozialkompetenz und Fähigkeiten wie die Teamfähigkeit eines Bewerbers getestet“, erklärt Wolfgang Lensing von der Volksbank.
„Dazu werden verschiedenste Aufgaben unter professioneller Aufsicht durchgeführt und alles, was die Bewerber tun steht unter Beobachtung und wird bewertet.“ So wollen die Unternehmen herausfinden, ob die Bewerber mögliche Mitarbeiter sind, mit denen sie zusammenarbeiten möchten.
Wie es sich anfühlt unter einer derartigen Beobachtung zu stehen, konnten die Schüler auch gleich am eigenen Leib erfahren. Zehn Minuten Vorbereitungszeit blieb ihnen, um eine dreiminütige Selbstpräsentation vorzubereiten, in der sie auf die Fragen eingehen sollten: „Wer bin ich?“, „Welche Hobbys habe ich?“, „Was ist mein Berufswunsch?“ „Was ist mein Lebensmotto?“. „Wichtig ist uns, dass ihr diese Struktur bei der Beantwortung der Fragen und die Zeit einhaltet“, sagte Wolfgang Lensing.
Um aber zu einem Assessment Center eingeladen zu werden, bei dem man seine sozialen und fachlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen kann, muss zunächst einmal die Bewerbung stimmen. Und hier lauern schon viele Fettnäpfchen, in die ein Kandidat unbewusst treten kann, weiß Wolfgag Lensing. „Die größte und wichtigste Erkenntnis, die wir während des Assessment Center-Trainings mit den Schülern gewonnen haben, betrifft die sozialen Netzwerke.“ Denn Profile mit freizügigen Fotos oder Aufnahmen beim Konsum von Alkohol sind keine Seltenheit und erwecken schnell einen schlechten Eindruck. „Mit 16 Jahren findet man solche Fotos noch lustig, mit 18 oder 19 schämt man sich bereits dafür und mit 25 bekommt man deshalb keinen Job“, sagt Wolfgang Lensing. Sein Rat an alle Schüler und zukünftigen Bewerber lautet deshalb: „Seid vorsichtig mit euren privaten Daten und betreibt Profilhygiene. Macht euch genaue Gedanken darüber, was ihr für einen elektronischen Eindruck hinterlasst. Denn ein falscher Eindruck auf Facebook kann eine noch so tolle Bewerbung und ein schönes Zeugnis zunichte machen und es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck.“
Aber nicht nur der erste Eindruck eines Bewerbers muss stimmen. Auch für die schriftliche Bewerbung gilt dieser Grundsatz. „Klebrige Bewerbungen mit Kaffeeflecken und Eselsohren landen direkt im Papierkorb“, weiß Wolfgang Lensing. Auch mit dem Foto sollten sich Bewerber Mühe geben. Biometrische Fotos aus dem Automaten und private Schnappschüsse sind hier nicht angebracht. „Bitte geht zu einem Profifotografen und bittet ihn, die Bewerbungsfotos von euch zu machen. Am besten teilt ihr ihm auch den Beruf mit, für den ihr euch bewerben wollt.“
Ist die schriftliche Bewerbung erfolgreich gewesen, wird man zum Einstellungstest oder zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Hierbei heißt es Pünktlichkeit ist alles. „Lieber zehn Minuten zu früh kommen, als zu spät“, sagt Wolfgang Lensing. „Und beim Bewerbungsgespräch sollte das Handy auf jeden Fall ausgeschaltet sein.“ Außerdem empfiehlt Wolfgang Lensing Bewerbern, regelmäßig Zeitung zu lesen. „So ist man über alles, was in der Region passiert auf dem Laufenden und kann im Gespräch mit Allgemeinwissen überzeugen“, sagt Wolfgang Lensing. Und auch wenn das Aussehen nicht alles ist, Kleider machen Leute. Deshalb heißt es für Bewerber, sich zu informieren, wie die gängigen Kleidungsvorschriften in dem Unternehmen oder Betrieb aussehen und sich dann „einen Tacken schicker anzuziehen“, sagt der Mitarbeiter der Volksbank. Und am wichtigsten ist eine gute Vorbereitung. „Bewerber sollten konkret erklären können, warum sie diesen Beruf in diesem Unternehmen ausüben wollen.“ GO