Mehr als nur ein Baum

Die alte Zeder am Lippweg erstrahlt zur Weihnachtszeit wieder im hellen Lichterglanz und erfreut Groß und Klein

Kirchhellen - Die Augen von Gaby Ziemke leuchten, wenn sie aus ihrem Küchenfenster auf die große Zeder in ihrem Vorgarten schaut. Denn dieser Baum ist, weiß Gott, nicht nur ein Baum, sondern viel mehr für sie. Und nicht nur für sie, sondern für die ganze Nachbarschaft am Lippweg. Denn jedes Jahr zum ersten Advent wird der Baum zu dem größten und wohl auch wohl schönsten Weihnachtsbaum Kirchhellens.
 

Auch in diesem Jahr soll die alte Zeder wieder im hellen Lichterglanz strahlen. Elektromonteur Jürgen Lißner kümmert sich gemeinsam mit Manfred Ziemke schon seit Jahren um die meterlange Lichterkette. Diese muss schließlich vorab geprüft werden. Derweil wird der Baum noch einmal in Form gebracht. Das übernimmt – ebenfalls seit vielen Jahren – die Firma Enbergs. „Allerdings muss der Hubwagen jedes Jahre ein paar Meter höher ausfahren“, sagt Gaby Ziemke mit einem Lachen. Denn die Zeder misst so einige Meter. Und so ist der geschmückte Baum nicht nur am Lippweg, sondern bis nach Dorsten zu sehen. „Sogar die Feuerwehr aus Dorsten hat hier schon einmal Halt gemacht, weil sie den Baum, den sie immer nur aus der Ferne sah, einmal genau betrachten wollte“, erinnert sich Gaby Ziemke zurück. Seit mittlerweile 18 Jahren erfreut der besondere Weihnachtsbaum die Nachbarschaft am Lippweg. Wenn man es ganz genau nimmt, dann sogar noch länger. „Schon der Vorbesitzer unseres Hauses hat den Baum jedes Jahr zu Weihnachten mit Lichtern geschmückt“, sagt Gaby Ziemke. Dann kaufte die Familie Ziemke das Haus und mit ihm die Zeder. „Auf dem Kirchhellener Weihnachtsmarkt erfuhren wir von der schönen, alten Tradition rund um die Zeder und waren sofort Feuer und Flamme.“ Im Nu wurde eine Lichterkette bestellt und der Baum zum Weihnachtsbaum. Damals waren es noch 200 Glühbirnen, heute sind es rund 500, die den Baum schmücken. Denn die Zeder ist dank der guten Pflege durch Gaby Ziemke gut in die Höhe gewachsen. „Wir sind gespannt, wann wir die Kette wieder verlängern müssen.“ Etwa 100 neue Sparbirnen sind schon jetzt jedes Jahr fällig. Denn die Lichter des Baumes werden am ersten Adventswochenende angeknipst und erst zum Tag der Heiligen drei Könige wieder ausgestellt. „Dabei gehen einfach immer einige Leuchtmittel kaputt.“
 

Doch Manfred Ziemke kauft diese gerne nach, schließlich ist mit dem Schmücken des Baumes auch ein wahres Nachbarschaftsfest verknüpft. „Wir treffen uns schon morgens zum Frühstück. Bis in den Nachmittag hinein wird dann geschmückt, Glühwein getrunken und natürlich miteinander gesungen und gelacht.“

Wenn der Baum dann in seiner vollen Pracht erstrahlt, rücken die Brezelkanoniere an, um mit kräftigen Böllerschüssen die Adventszeit am Lippweg einzuläuten. Doch damit nicht genug, denn auch auf die kleinen Helferinnen und Helfer wartet jedes Mal eine besondere Überraschung. Gegen 18 Uhr stattet nämlich der Nikolaus den hiesigen Kindern einen Besuch ab und hat dabei süße Tüten für alle im Gepäck. Auch diese Tradition pflegen die Eheleute Ziemke nun schon seit vielen Jahren (und schlüpfen dabei oft selbst in das Nikolauskostüm). Als kleines Dankeschön spenden die Nachbarn einen Obolus. Doch dieses Geld setzen Manfred und Gaby Ziemke ein, um noch mehr Augen zum Strahlen zu bringen. „Von den Spendengeldern kaufen wir ein und packen zahlreiche Päckchen für die Tafel in Bottrop“, sagt Gaby Ziemke. Zu Weihnachten den Mitmenschen eine Freude machen, das haben Gaby und Manfred Ziemke wahrhaft verinnerlicht.

Und wenn die Lichter im Januar wieder ausgestellt werden, dann wird es keinesfalls trostlos um den Baum. Gehegt und gepflegt wird die alte Zeder, damit sie noch viele Jahre zur Weihnachtszeit für strahlende Augen bei Klein und Groß sorgen kann. gsk

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