Foto: Jana Golus

„Die beabsichtigte Planung ist nicht akzeptabel“

Die Einwendungsfrist im Planfeststellungsverfahrens des Ausbaus der A 52 ist abgelaufen – Eine Delegation aus Gladbeck führt am 6. März neue Gespräche in Berlin

Gladbeck - Noch mehr Stau, Lärm und Abgase: Wenn Gladbecker an den geplanten Ausbau der A 52 denken, haben viele ein verkehrstechnisches Horrorszenario vor Augen. Am 20. Februar ist die Frist zur Einreichung von Einwendungen gegen das aktuelle Planfeststellungsverfahren abgelaufen. Allein das Bürgerforum Gladbeck e.V. übergab über 700 Einwendungen gegen den geplanten Autobahnausbau. Weitere Einwendungen gingen an die Stadt Gladbeck oder direkt nach Münster. Kritikpunkte liefert das Planfeststellungsverfahren aus Gladbecker Sicht etliche – doch zu stoppen ist es jetzt wohl nicht mehr.
 

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Matthias Raith sammelte Einwendungen gegen das Planfeststellungsverfahren.
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Neben vielen Bürgern reichte auch die Stadt Gladbeck eine Einwendung ein. Auf 15 Seiten werden hier die Kritikpunkte aus Sicht der Stadt benannt. Denn nur was jetzt zur Sprache gebracht wird, kann später bei einem Planfeststellungsbeschluss angefochten werden. Da die Stadt Gladbeck eine Fristverlängerung erhalten hat, werden außerdem alle betroffenen Ämter noch umfangreiche Stellungnahmen abgeben. Zudem brachte das Landesbüro der Naturschutzverbände NRW seine Bedenken gegen die Planung vor. Es weist unter anderem darauf hin, dass die Planunterlagen hinsichtlich der Umweltverträglichkeitsprüfung völlig unzureichend seien. Auch die Stadt Gladbeck bemängelt, dass die in das Verfahren eingeführte Umweltverträglichkeitsstudie veraltet ist.
„Die beabsichtigte Planung ist nicht akzeptabel“, sagt Tim Deffte vom Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Gladbeck. Aus Sicht der Stadt wird bei der aktuellen Planung nur ein Teil des Problems betrachtet: Die Strecke von Bottrop bis zum Autobahnkreuz der A 2. Der nördliche Teil der Strecke Richtung Gelsenkirchen wird nicht bedacht. „Der Ausbau wird die Situation in Gladbeck noch weiter verschlechtern“, ist sich Tim Deffte sicher. Staut sich jetzt bereits der Verkehr auf der B224, zieht der Autobahnausbau weiter südlich zusätzlichen Ausweichverkehr an. Mehr Verkehr im Stadtgebiet bedeutet mehr Lärm, mehr Immissionen, eine Überlastung des innerstädtischen Verkehrsnetzes und nicht zuletzt die Zerstörung der Straßensubstanz in Gladbeck und damit Folgekosten. Die Stadt Gladbeck befürchtet, dass Ausweichverkehr dann auch die Straßen im gesamten Stadtgebiet verstopft.
 

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Kritik an den aktuellen Ausbauplänen der A 52: Nur ein Teil des Problems wird betrachtet.
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Diese Befürchtungen teilt auch Matthias Raith, Vorsitzender des Bürgerforum Gladbeck e.V. Auch er kritisiert die falsche Abschnittsbildung. „Der Baubereich endet an der A2 und geht nicht weiter in Richtung Innenstadt.“ Er geht von erheblichen Auswirkungen für Gladbeck aus: 13.000 Autos mehr und 50 Prozent mehr LKW werden seiner Meinung nach für einen Verkehrsinfarkt in Gladbeck sorgen. „Dabei sind die Werte von Verkehr, Lärm und Immissionen jetzt schon am Anschlag“, betont Matthias Raith. „Hinzu kommt, dass keinerlei Aussagen über die Bauzeit getroffen wurden“, sagt der Vorsitzende des Bürgerforums. Mit acht bis zehn Jahren sei zu rechnen und die Autobahn wird unter „rollendem Rad“ gebaut, da die Straße nicht gesperrt werden kann.

Zudem greift der geplante Bau laut Matthias Raith in das Eigentum vieler Menschen ein. Der Anwalt hat mit einigen Mitstreitern zwei Wochen vor Ablauf der Frist für Einwendungen viel Zeit investiert, um Betroffene zu beraten und bei der Einwendung zu unterstützen. „Das Planfeststellungsverfahren ist rechtswidrig und verfassungswidrig“, sagt er. Dennoch betont er: „Wir im Bürgerforum haben nichts gegen Autobahnen, aber es ist Irrwitz eine Autobahn mitten durch die Stadt zu bauen.“
 

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Matthias Raith (2.v.r.) übergab einem Mitarbeiter der Poststelle der Stadt Gladbeck über 700 Einwendungen.
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Doch mittlerweile steht auch wieder die Tunnellösung im Raum. „Aus Berlin wurde uns signalisiert, dass eine Tunnellösung immer noch denkbar ist“, sagt Tim Deffte. Bereits beim Ratsbürgerentscheid im Jahr 2012 stand diese Lösung zur Debatte, wurde aber von einer Mehrheit der am Ratsbürgerentscheid teilnehmenden Bürger abgelehnt. Für die Stadt Gladbeck ist deshalb klar, dass eine Lösung nicht unter dem Ratsbürgerentscheid liegen darf. Damals war der Tunnel mit einer Länge von 1,5 Kilometer angedacht. „Der Tunnel, wenn es ein Unterflieger ist, wäre die beste Lösung für Gladbeck“, erklärt Tim Deffte. Dadurch könnten die Beschneidung der Stadt und die Stausituation aufgehoben werden und es wäre möglich neue Flächen zu entwickeln. Bei einem Gesprächstermin am 6. März in Berlin möchte eine Gladbecker Delegation bestehend unter anderem aus Bürgermeister Ulrich Roland, dem Fraktionsvorsitzenden der Gladbecker SPD Michael Hübner und dem Fraktionsvorsitzenden der Gladbecker CDU Peter Rademacher die Möglichkeit einer Tunnellösung gemeinsam mit Sven Volmering, Bundestagsabgeordneter der CDU und dem Parlamentarischen Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums Enak Ferlemann erörtern.

Das Bürgerforum Gladbeck hält dieses geplante Gespräch grundsätzlich für einen guten Schritt, der Bewegung in das Verfahren bringen könnte. Matthias Raith vom Bürgerforum könnte sich mit einer Tunnellösung anfreunden, hält diese aber für kaum umsetzbar. Ein Tunnel ist teuer und braucht mindestens zweimal so viel Fläche, glaubt er. „Ihre Gespräche in Berlin können nur dann eine sachliche Grundlage haben, wenn der Bundesverkehrsminister bereit wäre, für den Ausbau der Autobahntrasse durch Gladbeck samt Tunnel erhebliche, weit über die heutigen Planungen hinausgehende Mittel zur Verfügung zu stellen“, schreibt Matthias Raith an die Gladbecker Delegation. Die Alternative wäre aber eine Autobahn mitten durch Gladbeck und das wünscht sich wohl kaum jemand, der hier lebt. go

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