Schermbeck - Die beiden ägyptischen Austauschschüler Amr und Ahmed Atta haben zwei gemeinsame Monate bei Andrea und Frank Große Brinkhaus in Schermbeck verbracht. Nachdem zunächst Amr von September 2013 bis Juli 2014 ein Jahr bei der Gastfamilie verbracht hat, ist sein Zwillingsbruder Ahmed nun bereits seit September 2014 in Schermbeck.
Eine so lange Zeit getrennt waren die Brüder noch nicht, also beschloss Amr kurzerhand, in seinen Ferien erneut nach Deutschland zu reisen und sowohl den Bruder als auch die Familie Große Brinkaus wieder zu treffen. „Das ist ein wenig wie nach Hause kommen”, sagt der 16-jährige Amr. Die Bekanntschaften, die er während seines Aufenthaltes in Schermbeck geknüpft hat, wurden natürlich besucht. Und es bestand selbstverständlich viel Gesprächsbedarf mit dem Zwillingsbruder Ahmed. Auf die Frage, weshalb sie nicht sofort beide zusammen das Auslandsjahr gemacht haben, sagt Amr, der außerordentlich gut Deutsch spricht: „Das wollte unsere Mutter nicht. Dann wäre sie mit unserem Vater allein zu Hause und das war ihr wohl nicht so geheuer.”
Auch Ahmed spricht schon gut Deutsch, obwohl er erst ein halbes Jahr hier ist. Aber er weiß, dass die Sprache der Schlüssel für die Verständigung ist. Das ist auch den Gasteltern, Andrea und Frank Große Brinkhaus, enorm wichtig: „Es ist ein Austausch der Kulturen. Das ist so wichtig, dass wir voneinander lernen und wissen, wie die Menschen in anderen Ländern und Kulturkreisen leben. Wir erzählen ganz viel voneinander und oftmals müssen wir dann herzlich lachen. Schlager zum Beispiel kamen bei den Jungs gar nicht gut an.”
Wenn Amr nun zurück nach Hause fährt, geht er noch ein Jahr zur Schule und macht dann im Sommer 2016 sein Abitur – ebenso wie Ahmed, der im September zurück nach Kairo fliegt. Was genau nach dem Abitur passiert, ist noch nicht klar. „Ich möchte gerne wieder nach Deutschland kommen und hier studieren. Das hängt davon ab, ob unser Abitur hier anerkannt wird. Am liebsten Bau- oder Flugmaschineningenieur”, sagt Amr. Auch Ahmed kann sich vorstellen, zurück hierher zu kommen. „Ich möchte auch studieren – irgendwas in Richtung Erdöltechnik.” Beide finden das ägytische Schulsystem besser als das deutsche. „Wir gehen zwei Jahre in den Kindergarten, sechs Jahre zur Grundschule, dann drei Jahre in eine Vorbereitungsklasse und erst danach wird nach Neigung und Leistung entschieden. Es folgen drei Jahre in der Sekundarschule. Das ist doch viel besser, weil man nicht so früh entscheiden kann, ob man zum Abitur möchte oder vorher etwas anderes macht”, findet Amr Atta.
Andrea Große Brinkhaus kann nur jeder Familie empfehlen, für einige Zeit einen Austauschschüler aufzunehmen. „Sie geben so viel zurück und bereichern das Familienleben enorm. Und natürlich erfährt man viel über das Leben, die Religion, Ernährung oder Gesundheitsvorsorge in den anderen Ländern.” Das ist auch der Grund, warum das Zimmer von Amr nicht lange leer stehen wird. Maria Garcia aus Spanien hat sich bereits angekündigt und wird im März kommen. „Dann ist Ahmed auch nicht mehr so allein”, freut sich der Zwillingsbruder.
Wie bei seinem Zwillingsbruder wird auch Ahmeds Deutschlandaufenthalt über den Verein AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. organisiert. AFS ist ein gemeinnütziger Verein für den Jugendaustausch und interkulturelles Lernen. Das Schüler- und Gastfamilienprogramm des Vereins ermöglicht Schülern und Gasteltern über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken, eine andere Kultur kennenzulernen und soll damit zur Völkerverständigung beitragen. Gasteltern werden immer gesucht, damit möglichst viele Kinder so spannende Erfahrungen machen können wie Amr und Ahmed. gj
Weitere Informationen für interessierte Gasteltern oder Austauschschüler auf der Internetseite www.afs.de.