Gladbeck - Auch in diesem Jahr steht bei uns wieder das Ehrenamt im Fokus. Gemeinsam mit der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft (RWW) haben wir uns auf die Suche gemacht nach Menschen, die sich in Gladbeck auf besondere Art und Weise engagieren und so etwas möglich machen. Dabei stehen nun die Projekte, für die sich die Gladbecker einsetzen, im Mittelpunkt. Jetzt liegt es an Ihnen zu entscheiden, welches Projekt eine Förderung von 1.000 Euro erhalten soll.
Sechs unterschiedliche Projekte, die sich in verschiedenen Bereichen dafür einsetzen, dass Gladbeck noch lebenswerter wird, stehen zur Wahl. Ob das Mehrgenerationencafé, das Alt und Jung zusammenbringt, die Gladbecker Tafel, die Menschen mit Lebensmitteln versorgt, oder das Projekt Inklusion, bei dem Menschen mit Behinderung in ihrer Freizeit einen Kleingarten bewirtschaften können – all diese Projekte dienen einer guten Sache und sind auf Menschen angewiesen, die sich ehrenamtlich für sie einsetzen.
Die RWW lobt in diesem Jahr ein Preisgeld von 1.000 Euro für das Gewinner-Projekt aus. Weitere 2.000 Euro werden unter verschiedenen weiteren Projekten aufgeteilt. Die Projekte werden im Rahmen des Sommerfestes des Bürgermeisters ausgezeichnet. Am Kotten Nie wird es dabei wieder ein buntes Rahmenprogramm geben. Welches Projekt gewonnen hat, erfahren Sie natürlich in der Juni-Ausgabe der LebensArt. Nun heißt es aber zunächst einmal: Stimmen Sie ab und wählen Sie Ihr Lieblingsprojekt von „Menschen machen‘s möglich“.
Das sind die nominierten Projekte:
Café Malte – Das Mehrgenerationencafé
„Gemeinsam statt einsam“ lautet das Motto im Café Malte. An jedem vierten Sonntag im Monat treffen sich hier von 15 bis 17.30 Uhr Menschen jeden Alters, um miteinander zu reden, zu spielen und zu lachen. Seit Oktober 2014 gibt es dieses Angebot im Gemeindezentrum Heilig Kreuz am Pfarrer-Grünefeld-Weg 2. Neben kostenlosem Kaffee, Kuchen und Kakao bieten die ehrenamtlichen Helfer der Malteser auch interessante Kurzvorträge zu Gesundheitsthemen und Hilfen im Alltag an. Im Mittelpunkt steht aber vor allem das Ziel Generationen zu verbinden. Das Café Malte ist ein Ort der persönlichen Begegnung und des Austausches. Im Hintergrund engagieren sich dafür zahlreiche ehrenamtliche Helfer. „Samstags werden ehrenamtlich Kuchen gebacken von den Eltern der Malteser-Kinder und von Helfern“, erzählt Rainer Prittwitz, Stadtbeauftragter der Malteser. Sonntags sind ehrenamtliche Helfer von mittags bis abends im Einsatz, um alles vorzubereiten und im Anschluss wieder aufzuräumen. Für Pflegebedürftige oder behinderte Besucher ist außerdem immer Pflegepersonal der Malteser vor Ort und es wird ein kostenloser Fahrdienst angeboten, damit wirklich jeder das Café Malte besuchen kann. Nicht nur die älteren Besucher profitieren von dem Angebot des Mehrgenerationencafés, auch die Kinder kommen hier in Kontakt mit der älteren Generation und können dabei noch so einiges lernen. Sollte das Café Malte eine Förderung erhalten, haben die Verantwortlichen Rainer und Sabine Prittwitz schon eine konkrete Idee, was mit dem Geld passieren soll. „Wir wollen ein seniorengerechtes Fahrzeug für den Fahrdienst anschaffen, da unser Fahrzeug bislang nur provisorisch seniorengerecht ist“, erklärt Rainer Prittwitz. Die Förderung würde in die Anschaffung eines geeigneten Fahrzeuges fließen.
Inklusion – Leben gemeinsam erleben
Der Kleingartenverein am Nattbach e.V. hatte die Idee zu einem Projekt mit Vorbildcharakter. Im Jahr 2013 überlegten sich Jörg Lier und Michael Zurhausen vom KGV am Nattbach, einen leerstehenden Kleingarten behinderten Menschen zur Verfügung zu stellen. Einige Monate später konnte der Garten an die Caritas übergeben werden. Acht Menschen mit Behinderung aus einer betreuten Wohngruppe haben seitdem die Möglichkeit, den Kleingarten zu bewirtschaften und ihre Freizeit hier zu verbringen. „Für sie ist das das Paradies auf Erden“, freut sich Jörg Lier. Denn die vorwiegend geistig behinderten Männer und Frauen sind mit wahrer Begeisterung am Werk. Deutschlandweit ist dieses Projekt das erste seiner Art und soll anderen Kleingartenvereinen als Vorbild für eine erfolgreiche Inklusion dienen. Die Menschen mit Behinderung haben in der Kleingartenanlage die gleichen Rechte und Pflichten wie die übrigen Pächter und sind in das Vereinsleben integriert. Und wenn es darum geht, sich für anfallende Arbeiten freiwillig zu melden, sind sie vorbildlich. Sollte das Projekt „Inklusion – Leben gemeinsam erleben“ eine Förderung erhalten, weiß Jörg Lier bereits, wofür das Geld verwendet werden könnte. „Wir könnten das Geld gut gebrauchen, um der Gruppe moderne Gartengeräte wie Rasenmäher oder Vertikutierer zu kaufen. Die Geräte, die sie momentan verwenden, sind sehr alt.“
„Interkulturelle Gladbecker Mehrgenerationenwoche“
„Alt und Jung – gemeinsam sportlich aktiv“ lautet das Motto der „Interkulturellen Gladbecker Mehrgenerationenwoche“. Vom 31. August bis zum 11. September 2015 soll diese bereits zum fünften Mal in Gladbeck stattfinden und ein breites Spektrum unterschiedlicher Bewegungs- und Sportangebote präsentieren. In den vergangenen Jahren wurde dabei eindrucksvoll die Solidarität zwischen den Generationen unter Beweis gestellt. Zahlreiche Schulen und Vereine nehmen daran teil und kommen in Bewegung. Dieses Angebot ist in Deutschland mit seiner Vielzahl an Veranstaltungen einzigartig. Nicht nur Sport und Bewegung sollen dabei auf dem Programm stehen, sondern auch außersportliche Aktivitäten wie gemeinsames Brotbacken oder ein Besuch des Heimatmuseums. Organisiert wird die „Interkulturelle Gladbecker Mehrgenerationenwoche“ vom Verein Sport für betagte Bürger Gladbeck unter der Leitung von Christa Oehmke. Alte und junge, behinderte Menschen und Migranten sind hierbei gemeinsam aktiv und können in verschiedene Sportarten hineinschnuppern. „Wir wollen die Generationen mischen und zusammenbringen. Das ist immer ein tolles Miteinander“, erzählt Christa Oehmke, die das Projekt ehrenamtlich betreut. Eine Förderung könnte gut für Materialien, Mieten für Räume und Verpflegung gebraucht werden.
Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst
„Wir verstehen uns als Lebensbegleitung und begleiten Familien mit lebensverkürzend erkrankten Kindern oft über viele Jahre hinweg“, erklärt Gisela Ewert-Kolodziej vom Ambulanten Kinder und Jugendhospizdienst Emscher-Lippe. „Bevor wir die Menschen im Tod begleiten, begleiten wir sie im Leben“, ergänzt ihre Kollegin Kira Benz. Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Emscher-Lippe wurde 2013 in Gladbeck eröffnet und gehört zum Deutschen Hospizverein. In Gladbeck bietet der Dienst eine Anlaufstelle für Familien mit Kindern und Jugendlichen, die lebensverkürzend erkrankt sind. Familien aus einem Umkreis von etwa 50 Kilometern werden hier unterstützt. Dabei engagieren sich 32 ehrenamtliche Mitarbeiter, gehen zu den Familien nach Hause und nehmen sich Zeit, auf die Bedürfnisse der gesamten Familie einzugehen und sie zu entlasten – egal, ob das kranke Kind, ein Geschwisterkind oder die Eltern Unterstützung benötigen. Insgesamt 18 Familien betreut der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst derzeit. Diese Begleitung ist für die Familien kostenlos. Bevor die Ehrenamtlichen eingesetzt werden, absolvieren sie einen Befähigungskurs, der sie auf ihre Aufgaben vorbereitet. Eine Förderung könnte gut in den nächsten Befähigungskurs für weitere Ehrenamtliche investiert werden, der im nächsten Jahr im Januar beginnen soll.
Die Vorleser – Kinder lesen für Kinder
Im Kinderhort Terebinthe vom Sozialdienst katholischer Frauen werden die Sprach- und Leseförderung groß geschrieben. Bereits seit sieben Jahren engagiert sich Elisabeth Boekstegen hier ehrenamtlich für die Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahre – zunächst bei der Hausaufgabenhilfe und mittlerweile speziell im Bereich der Leseförderung. Einmal in der Woche ist die Ehrenamtliche in dem Kinderhort an der Hammerstraße zu Gast und übt mit den Kindern einzeln oder zu zweit das Lesen und Vorlesen. Die Kinder machen dabei deutliche Fortschritte. 39 Kinder besuchen den Kinderhort, davon haben etwa 70 Prozent einen Migrationshintergrund. Darunter sind auch sechs Flüchtlingskinder, die erst noch Deutsch lernen müssen. Als besonderes neues Projekt haben sich Hortleiter Jörg Hain und Elisabeth Boekstegen nun etwas einfallen lassen: Kinder lesen für Kinder. Um zu zeigen, was sie schon gelernt haben, besuchten einige Hortkinder zu Ostern einen Kindergarten und lasen den Kindergartenkindern dort vor. „Das hat so gut geklappt, dass wir das nun regelmäßig zu Ostern und Weihnachten in verschiedenen Kindergärten machen wollen“, erklärt Jörg Hain. „Das soll jetzt ein festes Angebot in unserer Jahresplanung werden.“ Finanzielle Mittel würden in die Leseförderung fließen. Zum Beispiel in eine Belohnung für besonders fleißige Leser, denn die Kinder, die besonders viel gelesen haben, dürfen sich in einer Buchhandlung ein Buch aussuchen. Aber auch in Fahrtkosten zu den Vorleseterminen oder in Bücher für den Schulbereich könnte eine Förderung fließen.
Die Gladbecker Tafel e.V.
30 Ehrenamtliche engagieren sich bei der Gladbecker Tafel und helfen dabei, bedürftige Menschen in Gladbeck mit Lebensmitteln, aber auch mit Kleidung oder Kinderspielzeug zu versorgen. Etwa 400 Personen sind derzeit in der Kartei der Gladbecker Tafel verzeichnet, denn um hier Lebensmittel für den kleinen Betrag von 2,50 Euro pro Abholung zu erhalten, müssen die Kunden der Tafel zunächst ihre Bedürftigkeit in Form eine Harz IV-Bescheides nachweisen. Dann dürfen sie hier einmal in der Woche Lebensmittel abholen. An den 400 verzeichneten Personen hängen allerdings noch weit mehr Menschen, denn oft wird eine ganze Großfamilie von einer Person versorgt. Die ehrenamtlichen Helfer sorgen dafür, dass die benötigten Lebensmittel von den Supermärkten, Bäckereien oder Metzgereien, die Ware spenden, abgeholt werden. Anschließend muss die Ware sortiert werden, da nicht alles immer brauchbar ist. Da die Gladbecker Tafel auf Spenden angewiesen ist, kann es bei bestimmten Lebensmitteln auch schon einmal zu Engpässen kommen, so dass beispielsweise Milchprodukte knapp sind. Schwerbehinderte, die nicht in der Lage sind zur Gladbecker Tafel an der Bülser Straße zu kommen, werden von der Gladbecker Tafel mit Lebensmitteln beliefert. Gisela Schmidt, stellvertretende Vorsitzende der Tafel, sorgt mit den weiteren Ehrenamtlichen dafür, dass die Tafel die bedürftigen Menschen versorgen kann. „Die Tafel ist zu 100 Prozent ehrenamtliche Arbeit“, sagt Monika Harelik, die sich hier ebenfalls engagiert. Menschen aus dem gesamten Gladbecker Stadtgebiet werden hier versorgt. Wenn die Tafel eine Förderung erhalten würde, würde Gisela Schmidt unter anderem gerne ein neues Ceranfeld für den Herd in der Küche der Tafel kaufen. „Das ist leider schon seit einigen Jahren kaputt und ich hatte immer vor, kleine Kochkurse für die Tafelkunden anzubieten. Denn viele wissen nicht, wie sie einige der Gemüsesorten, die sie bei uns bekommen, zubereiten müssen.“