Ein spannendes Jahr erwartet Kirchhellen

Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder im Gespräch mit der LebensArt über den Ausbau des Ortskerns, Neubaugebiete und die Jugendarbeit in Kirchhellen

Kirchhellen - Wird unser Ortskern jetzt zum Schnäppchen-Markt-Paradies? Ist Kirchhellen bald zugebaut? Wie geht es weiter, wenn die Flüchtlingsfamilien eingezogen sind? Wann wird die Schneiderstraße endlich neugemacht? – Viele Fragen, die auch Sie sich vielleicht schon gestellt haben. Im Gespräch mit dem Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder haben wir wichtige Themen angesprochen, die uns auch im Jahr 2016 begleiten werden.

Die Integrationsarbeit beginnt

„Eine große Aufgabe, die uns in den nächsten Monaten erwartet, ist der Bezug der Flüchtlingshäuser. Wir müssen versuchen, die Bedürfnisse der Flüchtlinge mit den Bedürfnissen der Bevölkerung, die hier lebt, in Einklang zu bringen“, erklärt Ludger Schnieder, als wir ihn auf die großen Aufgaben 2016 ansprechen. Anfang März sollen die ersten Flüchtlinge in die Holzhäuser auf der Bredde einziehen. Insgesamt ist es vorgesehen, dass Kirchhellen etwa 140 Flüchtlinge aufnimmt. Jeweils 50 Menschen sollen in Feldhausen und an der Holtausener Straße unterkommen. Die Holzhäuser auf der Bredde sind für maximal 30 Flüchtlinge ausgelegt. „Natürlich sind die Holzhäuser und Container nur Übergangslösungen. Wir wollen versuchen, die Menschen so schnell wie möglich in eigene Wohnungen zu bekommen.“ Höchstens ein Jahr sollen die Flüchtlinge in den Hütten unterkommen. Besonders begeistert zeigt sich Ludger Schnierder von der Hilfsbereitschaft der Kirchhellener. Er ist sich sicher, dass die aufkommenden Hindernisse auch weiterhin gemeinsam überwunden werden können. „Die Bauarbeiten der Flüchtlingshäuser war eine tolle Erfahrung. Alles lief sehr harmonisch ab.“ Über 1.700 ehrenamtliche Stunden wurden in das Projekt gesteckt. Doch mit dem Bau allein ist es nicht getan. Nun folgt die Integrationsarbeit. „Bei einer ersten konstituierenden Sitzung kamen bereits über 100 Personen, die helfen wollen. Es wurden verschiedene Gruppen gebildet, die die Flüchtlinge bei den alltäglichen Situationen unterstützen. Die Bereitschaft zu helfen ist in Kirchhellen extrem hoch“, freut sich Ludger Schnieder. „Ich bin der Auffassung, man kann unterschiedlicher Meinung zu der großen Flüchtlingspolitik sein, aber man sollte trotzdem an der Basisarbeit mithelfen. Ich möchte hier möglichst viele mit einbinden.“

Freundlicher Ortskern


„Ich möchte in diesem Jahr auf jeden Fall den Ortskern verschönern und attraktiver machen für Besucher“, sagt der Bezirksbürgermeister. „Dafür sammeln wir nun Ideen und überlegen, was umsetzbar ist. Meiner Meinung wäre eine komplette Fußgängerzone, wie sie schon im Gespräch war, kontraproduktiv. Und ich denke auch, die Einzelhändler sind gegen eine derartige Lösung.“ Viel mehr denkt Ludger Schnieder darüber nach, die Verkehrsproblematik zu entzerren. Andere Verkehrswege sollen gefunden werden. „Meiner Meinung nach sollte der Bankenvorplatz mehr belebt werden. Natürlich muss das in Einklang mit dem Wochenmarkt geschehen. Aber zum Beispiel eine vernünftige Außengastronomie wäre eine Belebung und so kommen auch wieder mehr Kunden in die Kirchhellener Geschäfte.“ Er ist sich sicher, dass die Kirchhellener Einzelhändler viel zu bieten haben und auch überörtlich Anklang finden. „Wir müssen helfen, dass die Kirchhellener Geschäfte marktfähig bleiben. In die Planung und Gestaltung werden die Einzelhändler mit eingebunden. Ohne die darf man es nicht machen“, ist sich Ludger Schnieder sicher. Und auch zu der Belegung der leerstehenden Ladenlokale hat er eine klare Meinung. „Wir brauchen nicht nur Billigläden. Mit Bedacht und Verstand sollten die Lokale vermietet werden.“ Mitte des Jahres soll voraussichtlich der Bau von Rösner fertig gestellt werden. Dann wird sich auch die Parkplatzsituation wieder entzerren. Bis dahin werden während der Bauphase neue Parkplätze eingerichtet, die die Parksituation im Kirchhellener Ortskern verbessert. „Wir müssen nun versuchen zunächst mit geringen und einfachen Mitteln viel zu verschönern. Dafür sollten wir unvoreingenommen an die Sache herantreten und parteiübergreifend uns zusammensetzen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen“, sagt Ludger Schnieder.

Ausbau Schneiderstraße


„Im Haushalt wurden bereits Mittel für den Ausbau der Schneiderstraße eingestellt. Nun werden zunächst die Arbeiten am Vossundern und andere Projekte abgeschlossen, um dann an das Projekt Schneiderstraße zu gehen“, erklärt Ludger Schnieder. Es ist geplant Ende dieses Jahres mit dem Bau zu beginnen. „Die Planung ist soweit abgeschlossen und der Entwurf ist durch die Gremien.“ Geschätzt wird, dass der Umbau etwa eineinhalb bis zwei Jahre dauert. „Ich sehe ganz klar unsere Aufgabe darin, während der Bauphase die Gewerbetreibenden vor möglichen Schäden zu schützen.“ Die Kosten für den Umbau tragen zu einem gewissen Prozentsatz die Anlieger selbst. Das war auch der entscheidende Grund sich gegen einen Kreisverkehr auszusprechen. Der Bau eines Kreisverkehres hätte die Anliegergebühr stark angehoben. Nach dem Umbau der Schneiderstraße entsteht hier eine komplette Dreißigerzone.

Neubaugebiet Gertskamp


„Ich kann die Bedenken natürlich verstehen, wenn es um das Neubaugebiet Gertskamp geht. Doch 2008 kaufte die Firma Helmke bereits das Grundstück. Das ist jetzt acht Jahre her und es ist nicht mehr zu verhindern. Fast alle Grundstücke sind vorreserviert. Viele dieser Interessenten kommen auch aus Feldhausen. Also ist das Baugebiet auch von vielen Feldhausenern gewünscht“, erklärt Ludger Schnieder. Trotzdem nimmt er die Sorgen ernst. „Die Kritik an der Entwässerung konnte zurückgewiesen werden. Die Problematik konnte gelöst werden.“ Das Neubaugebiet Gertskamp ist ein sogenanntes freies Baugebiet. Hier dürfen sich die Hausbauer den Architekten selbst aussuchen und haben damit einen größeren Gestaltungsraum. Gewisse Richtlinien wie die Höhe und die Größe der Bebauungsfläche müssen eingehalten werden. Im Plangebiet sollen etwa 40 freistehende Einfamilienhäuser mit maximal zwei Vollgeschossen entstehen. Die Grundstücksgröße beträgt durchschnittlich 540 Quadratmeter. „Es wird ein sehr grünes Baugebiet und ich bin der Meinung, dass alles seine Daseinsberechtigung hat. Wir brauchen Einfamilien- und Mehrgenerationenhäuser. Alles soll am richtigen Ort die unterschiedlichen Bedürfnisse befriedigen“, weiß Ludger Schnieder. „In Grafenwald brauchen wir umbedingt noch ein Neubaugebiet. Uns fehlen hier die jungen Familien. Wir versuchen eine passende Fläche zu finden, die bebaut werden darf. Das wollen wir auf jeden Fall dieses Jahr angehen.“

Jugendarbeit wird gefördert

„Was mir auch am Herzen liegt und wir dieses Jahr angehen, betrifft die Arbeit mit den Jugendlichen in Kirchhellen“, erklärt der Bezirksbürgermeister. Schon vor längerer Zeit wurde angedacht den alten Spargelhof Beckmann zu einem Treffpunkt für Jugendliche umzubauen. „Es ist keine Entscheidung, die man leichtfertig treffen sollte. Wir müssen abwegen, was das beste und richtige für die Jugendlichen ist. Es muss weitsichtig gehandelt werden und überlegt werden, wo die Investition von Geldern richtig ist.“ Ludger Schnieder möchte sich auch noch weiterhin umschauen, ob es bessere Plätze für den Treffpunkt gibt. „Der Bedarf ist auf jeden Fall da. Nur wie und wo muss überdacht werden. Es sollte keine Lösung für ein Jahr sein. Sondern auch in den nächsten 20 Jahren Bestand haben“, sagt der Bezirksbürgermeister.


Die LebensArt bedankt sich für das aufschlussreiche, offene und vor allem nette Gespräch mit dem Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder. kb

Zurück