Schermbeck - Anfang dieses Jahres reisten Gudrun Gerwien und Dieter Schmitt für drei Wochen nach Sierra Leone. Die Republik in Westafrika ist bereits seit Jahren ein Herzensprojekt der beiden Vorstandsvorsitzenden der GAGU Zwergenhilfe. Für beide war es die erste Afrikareise nach dem Ausbruch von Ebola. Zuletzt waren sie 2013 in Sierra Leone zu Besuch.
„Im vergangenen Jahr haben wir mit dem Bürgermeister Mike Rexforth die Wette abgeschlossen, dass es nicht möglich ist, in einem Jahr 50.000 Euro Spendengelder für ein neues Projekt einzuziehen“, erklärt Gudrun Gerwien. „Wir wollten ein Childrens Town mit kleinen Häusern errichten, für Familien, die sich bereit erklären würden, ein bis zwei Ebola-Waisenkinder aufzunehmen. Nun wollten wir in Afrika mit den Behörden über das Projekt sprechen. Doch die Lage vor Ort hat uns umdenken lassen. Wenn wir erst ein neues Dorf errichten wollen, dauert es viel zu lange. Die Kinder brauchen jetzt die Hilfe.“ Gudrun Gerwien berichtet über viele Ebola-Waisen, die einfach auch der Straße leben, ohne Zukunftsperspektive. Andere sind in sogenannten Amputee-Camps. Doch auch diese Unterbringung birgt keine adäquate Verbesserung für die Kinder.
Gudrun Gerwien und Dieter Schmitt wollen nun mit dem Geld einzelne Dörfer unterstützen. Denn auch wenn Familien bereit sind, noch ein Waisenkind aufzunehmen, haben sie in den kleinen, heruntergekommenen Häusern meist gar keine Chance. „Wir möchten mit den Spendengeldern die Baumaterialien für neue Häuser kaufen und zur Verfügung stellen und auch danach die Familien monatlich unterstützen“, erklärt Gudrun Gerwien.
Zum ersten Mal, seitdem sie sich ehrenamtlich in Sierra Leone engagieren, merkten die beiden Schermbecker ein Umdenken in den Köpfen der Menschen. „Die Menschen brachten aktiv Vorschläge, wie etwas verbessert werden kann, und wollen auch die Arbeit für den Aufbau der Häuser selbst übernehmen“, sagt Gudrun Gerwien. „Das ist natürlich super. So können wir das Geld hauptsächlich für die Materialien ausgeben und so noch mehr Häuser errichten und mehr Kindern eine Zukunft geben.“
Ebola hinterließ Spuren
„Wir haben Bilder gesehen zu der Zeit der Ebola-Katastrophe. Die Straßen waren wie leergefegt. Es gab keine traditionelle Begrüßungszeremonie und auch keine Beerdigungszeremonien.“ Besonders verheerend für die Menschen war das Versorgungsproblem. Denn Kühlschränke sind in Sierra Leone die Ausnahme und so werden Lebensmittel stets frisch gekauft. Doch ohne Markt ist das sehr schwierig.
Nach fast zwei Jahren gehen nun die Kinder wieder zur Schule und das Leben normalisiert sich. Aber trotzdem bleibt die medizinische Versorgung eine Katastrophe. Viele Ärzte oder Krankenpfleger sind mit dem Virus in Berührung gekommen und verstorben oder sind vorher weggezogen, als die Krankheit ausgebrochen ist. Nun sind die Krankenstationen unterbesetzt.
GAGU-Projekte
Auf ihrer Reise durch Sierra Leone besuchten Gudrun Gerwien und Dieter Schmitt ihr „Home of Hope“, in dem derzeit 16 Kinder und Jugendliche wohnen. Das Kinderhaus dient als Wohn-, Betreuungs- und Versorgungsstätte und wird in diesem Jahr noch durch eine Ausbildungsstätte erweitert. „In der Ausbildungsstätte wird eine Bäckerei mit zwei Öfen aufgebaut und eine Näherei“, erklärt Dieter Schmitt. „Der Rohbau steht bereits. Nun ging es an den Innenausbau.“ Ende dieses Jahres wollen beide wieder nach Sierra Leone fahren, um bei der offiziellen Einweihung dabei zu sein. „Es ist sehr wichtig, immer vor Ort zu sein und permanent die Projekte zu betreuen. Unsere Arbeit vor Ort wir auch anerkannt. Wir merken, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, erklärt Gudrun Gerwien.
Briefe für Paten
Gudrun Gerwien und Dieter Schmitt bekommen viel von den Menschen in Sierra Leone zurück. Die Dankbarkeit ist für beide besonders schön.
Und auch für die Paten in Schermbeck haben die beiden kleine Überraschungen mitgebracht. „Die Kinder haben an ihre Paten in Deutschland Briefe geschrieben. Sie sind so dankbar und wissen die Hilfe zu schätzen“, sagt Gudrun Gerwien.
Paten gesucht
Die GAGU Zwergenhilfe sucht dringend einen Paten für Aminata Fofanah. Das kleine Mädchen sitzt im Rollstuhl und ist 12 Jahre alt. Ihre Mutter starb an Ebola. „Ami braucht Hilfe. Darum suchen wir einen Sponsor. Und das dringend“, erklärt Gudrun Gerwien. Wenn Sie dem Mädchen helfen möchten, melden Sie sich bei der GAGU Zwergenhilfe unter der Telefonnummer (02853) 912435.
Und auch sonst gibt es viele weitere Möglichkeiten, die GAGU Zwergenhilfe zu unterstützen. „Man kann auch mit kleinen Dingen etwas verändern“, weiß Gudrun Gerwien. kb
Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite www.gagu-zwergenhilfe.com.