Gladbeck - Inklusion in der Schule bedeutet: Keiner wird ausgeschlossen, alle haben einen Platz in der Gemeinschaft. Im Schulalltag stellt das wichtige Thema Kinder, Eltern und Lehrkräfte jedoch weiterhin vor große Herausforderungen. In Gladbeck greifen daher ab sofort drei Schulhelfer den drei Gladbecker Schulen mit Inklusionsklassen unter die Arme. Neben dem Ratsgymnasium sind das die Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule und die Wittringer Grundschule.
Direkt nach den Osterferien hat am Ratsgymnasium Giorgio Benatti seine Arbeit aufgenommen. Er ist keine neue Lehrkraft, sondern Schulhelfer. Seine Aufgaben: Er stärkt das soziale Miteinander, hilft im Sportunterricht und im Schulalltag. Er ist einer von insgesamt drei Schulhelfern und Schulhelferinnen, die zwar keine ausgebildeten Pädagogen sind, aber neben verschiedenen Fortbildungen auf einen breiten Erfahrungsschatz aus Familienphase, Trainertätigkeiten und Pflege zurückgreifen können. Dabei unterstützen „erfahrene Nichtfachkräfte“ im Unterricht, in den Pausen, in der Nachmittagsbetreuung oder auf Schulausflügen das Kollegium und die weiteren pädagogischen Kräfte.
Bei seiner Arbeit schaut Giorgio Benatti auf das Gesamtgefüge und nicht nur auf das einzelne Kind. Diese sogenannte „Poollösung“ unterstützt das System „Schule“ und ist nicht an ein einzelnes Kind angebunden. Vorteile sind hier ganz klar ein passgenauer und flexibler Einsatz des Schulhelfers und die Tatsache, dass es zu keiner Stigmatisierung des einzelnen Schülers kommt. Es ist eine Hilfe für alle. Für ihn als Italiener ist Inklusion etwas ganz Normales, da es in seiner Heimat keine Förderschulen gibt, werden alle Kinder in den selben Klassen unterrichtet.
Das Ratsgymnasium hat derzeit sechs Schüler mit speziellem Förderungsbedarf, die die fünfte bis siebte Klasse besuchen. Nach den Sommerferien kommen vier weitere hinzu. Da ist die Inklusionsschule auf Hilfe angewiesen. „Man braucht einfach mehr personelle Ressourcen. Das ist bislang einfach nicht aussreichend. Wir sind deshalb dankbar für die Initiative der Stadt Gladbeck, uns dahingehend zu unterstützen“, erklärt Hans-Christoph Pocha, Schulleiter des Ratsgymnasiums.
Einzigartiges Inklusionskonzept
Die Schulhilfe im inklusiven Unterricht ist ein wesentlicher Bestandteil des neuen Inklusionskonzept, das die Stadt gemeinsam mit dem Caritasverband auf den Weg gebracht hat. Die Stadt nimmt mit ihrem Konzept eine Vorreiter-Rolle ein, wie Bettina Weist, Leitung Amt für Bildung und Erziehung, betont: „Gladbeck begegnet den Herausforderungen einer inklusiven Schule mit einem umfangreichen Plan, um alle Gladbecker Kinder und Jugendlichen auf ihrem Lernweg zu stärken. Das schulische Inklusionskonzept der Stadt Gladbeck ist in Nordrhein-Westfalen derzeit eine der ersten kommunalen Gesamtstrategien, um Inklusion erfolgreich an den Start zu bringen.“ Neben verschiedenen Umbaumaßnahmen an den Schwerpunktschulen hat die Stadtverwaltung mit Unterstützung aus Schulen, Jugendhilfe, Gesundheitsamt und weiteren Experten einen vielseitigen Katalog an Maßnahmen zusammengestellt.
Der Einsatzplan der Schulhelfer wird in enger Abstimmung mit dem kommunalen Bildungsbüro Gladbeck erfolgen. „Das Bildungsbüro wird die Maßnahme eng begleiten. Es ist unter anderem die Schnittstelle in der Kommunikation zwischen Stadt, Schule, Eltern und Caritas und achtet dabei auf den optimalen Einsatz der Kräfte innerhalb der Ressourcen“, erklärt Inklusionslotsin Nadine Müller.
Maßnahmenträger ist der Caritasverband Gladbeck. Der Einsatzplan wird in enger Abstimmung mit dem kommunalen Bildungsbüro Gladbeck erstellt. Die Pilotphase, welche die Stadt Gladbeck mit 86.000 Euro fördert, läuft bis zum Sommer 2017. Bei einer erfolgreichen Ausführung soll das Modellprojekt „Schulhilfe“ weitergeführt und auf weitere Gladbecker Schulen ausgeweitet werden. kb