Gladbeck - „Zusammen leben, voneinander lernen und sich gemeinsam entwickeln“ – so lautet das Motto, das an der Hauswand in großen Buchstaben geschrieben steht. Es zeigt, dass in dem großen Haus an der Friedenstraße eine besondere Familie lebt: Die Gemeinnützige Jugend- und Behindertenhilfe bietet Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen einen Platz im Leben. „Wir sind eine große Familie und halten zusammen. Das unterscheidet uns nicht von anderen Familien – da sind wir ganz normal“, erklärt Siegfried Schmitz, Leiter und Initiator der Einrichtung. Und das seit mittlerweile schon fünf Jahren, denn im April 2011 startete Siegfried Schmitz mit der Wohngruppe.
Zurzeit sind neun Kinder im Alter von 8 bis 15 Jahren dort zuhause; vier sind geistig behindert, fünf bedürfen einer besonderen sozialen Betreuung, eines davon ist ein Flüchtlingskind von der Elfenbeinküste. „Die Kinder bleiben bis zur Verselbstständigung bei uns. Eines der Mädchen ist von Beginn an dabei, sie kam mit sechs Jahren zu uns“, erklärt der gelernte Heimerzieher, der zuvor in stationären Einrichtungen gearbeitet hat, aber immer von einer Intensivgruppe für Kinder mit und ohne Behinderungen geträumt hat.
Nach langem Suchen und vielen Behörden- und Anerkennungsverfahren konnte dann endlich vor fünf Jahren das Haus liebevoll und kindgerecht umgebaut werden und die ersten Kinder zogen ein. Es sind Kinder, die vom Jugendamt aus ihren Familien herausgenommen werden mussten, weil sie vernachlässigt wurden, Gewalt erfahren haben, in ihren Familien nicht mehr gut aufgehoben waren. Sie lernen hier zunächst einmal einen Alltag kennen mit Strukturen, Rechten und Pflichten. Seit einiger Zeit haben wir einen Gemüsegarten, in dem jedes Kind eine eigene kleine Parzelle bearbeiten kann. Das macht Spaß und die Kinder lernen Verantwortung. Auch Kleintiere sind erlaubt, wenn die jungen Besitzer es verantwortlich betreuen. So wie Laura, die auch ein eigenes kleines Kaninchen in ihrem Zimmer hat. „Es heißt Hoppelchen und ich kümmere mich ganz allein um ihn“, sagt sie stolz.
„Alle Kinder, die hier sind, haben schon Jugendhilfeeinrichtungen durchlaufen oder waren in der Psychiatrie“, erklärt Sigfried Schmitz. Die Eltern, die in den meisten Fällen noch das Sorgerecht haben, werden bewusst in die alltäglichen Abläufe integriert. Es gibt Elterngespräche und Beratung für die Eltern. „Die Eltern und Geschwister können ihre Kinder jederzeit besuchen. Wir möchten kein Ersatz für die Herkunftsfamilie sein, sondern eine Ergänzung und Begleitung.“ Gemeinsam mit fünf Mitarbeitern in Vollzeit, einer Hauswirtschafterin und einem Hausmeister sowie regelmäßig eingesetzten Praktikanten kann das Team die Herausforderung meistern, dabei arbeiten sie eng mit dem Jugendamt zusammen. Denn schließlich gilt: Zusammen leben und voneinander lernen! gj