Das Familienzentrum St. Johannes zählt wie die anderen Kindertageseinrichtungen auf die Mithilfe der Eltern. Da gab es jahrelang kaum Probleme – es wurden Kuchen gebacken, Weidenhäuser errichtet, Wände gestrichen, Kleidermärkte organisiert und vieles mehr. Vor einigen Jahren dann brach die Mithilfe plötzlich ein und viele bis dahin selbstverständliche Aktionen konnten nicht mehr stattfinden. Anne Tiemann, Leiterin des Familienzentrums, ist froh, nun wieder einen aktiven und kreativen Elternrat zu haben, der viele kreative und interessante Dinge antreibt. „Das klappt jetzt zum Glück wieder richtig gut, der Elternrat ist motiviert und engagiert, weil die Bereitschaft in der Elternschaft auch wieder da ist. Nur Geld spenden und sagen ‚Macht mal‘ geht eben nicht.“ Der Appell gegen das sich Freikaufen von Verantwortung kommt auch von Seiten der Sportvereine, die deutlich spüren, dass weniger Eltern sich bereit erklären, die Kinder am Wochenende zu Spielen, Turnieren und Wettkämpfen zu begleiten.
Das fehlende Engagement in Sportvereinen wird auch in Zahlen deutlich. Vor ein paar Jahren gab es in Bottrop noch 130 Vereine. Heute ist die Zahl auf 118 gesunken. Dr. Peter Scheidgen, Präsident des VfL Grafenwald, ahnt woran dies liegen könnte: „Wir finden immer jemanden, der sich kurzzeitig engagiert, doch die Bereitschaft ein Amt im Verein zu übernehmen ist gesunken. Leute gehen nicht mehr langfristige Vereinsmitgliedschaften ein. Sie möchten lieber Kurse besuchen, die auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt sind.“ Diesen Trend führt Dr. Peter Scheidgen auch auf das immer größer werdende Angebot im Sportbereich zurück. „Heute haben die Jugendlichen so viele Möglichkeiten außerhalb eines Vereins sportlich aktiv zu sein. Sie probieren gerne mehr aus. Das ist ein Trend, dem wir als Sportverein folgen müssen. Wir müssen jetzt agieren und flexibel sein. Nur so können wir auch in Zukunft junge Menschen für unsere Vereinsarbeit gewinnen“, betont Dr. Peter Scheidgen, der bereits seit 1969 Mitglied des VfL Grafenwald ist und seit 2003 auch im Vorstand mitarbeitet. Ähnliche Beobachtungen kann auch Hans Jürgen Schumann, 1. Vorsitzender des TSG Kirchhellen, verzeichnen. Der TSG Kirchhellen bietet ein breites Spektrum an unterschiedlichen Sportarten an und trifft damit den Nerv der Zeit. Die stabilen Mitgliederzahlen sprechen hier für sich. 1.960 Mitglieder führt der Verein derzeit. „Wenn wir vom Verein Hilfe bei kleineren Sachen brauchen, ist immer jemand zur Stelle. Hier ist das Engagement ungebrochen und das freut uns natürlich. Doch die Bereitschaft im Vorstand mitzuarbeiten, ist meist nicht gegeben“, erklärt Hans Jürgen Schumann. Und auch Bernhard Weyrath, Geschäftsführer des TSG Kirchhellen, kann hier nur zustimmen: „Der Vorstand übernimmt Verantwortung für den Verein und haftet im Ernstfall auch für diesen. Die allgemeine Rechtslage trägt nicht gerade dazu bei, dass sich junge Menschen hier engagieren möchten. Es ist eine enorme Verantwortung.“ Abgesehen davon ist die Arbeit im Vorstand eines Vereins auch äußerst zeitintensiv. „Dreimal die Woche bin ich in der Geschäftsstelle des TSG und darüber hinaus besuchen wir viele Fortbildungen in Bezug auf die Vorstandsarbeit. Das ist einem arbeitendem Menschen kaum mehr zuzumuten“, erklärt Bernhard Weyrath.
Wo Sportvereine häufig auf das ehrenamtliche Engagement der selben Personen angewiesen sind, benötigt die Freiwillige Feuerwehr stets Nachwuchs in ihren Reihen. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Freiwilligen, die sich bei uns engagieren“, betont Dieter Heidermann, Brandinspektor bei der Freiwilligen Feuerwehr Kirchhellen. Mit 60 Jahren endet der aktive Einsatzdienst in der Feuerwehr und auch durch Umzüge fallen immer häufiger Einsatzkräfte weg. „Bei uns ist es ein kontinuierlicher Prozess. Wir sind sehr aktiv im Bereich der Nachwuchswerbung.“ Und das zahlt sich aus. Denn im Moment kann die Freiwillige Feuerwehr Kirchhellen einen extrem guten Zulauf verzeichnen. Hier scheint das ehrenamtliche Engagement der Kirchhellener ungebrochen. „Wir decken bei uns alle Alterstufen ab. Im Laufe des letzten Jahres haben wir viele Enddreißiger dazu bekommen“, erklärt Dieter Heidermann. Unterbrandmeister Simon Glogowski ergänzt: „Außerdem bekommen wir viele junge Leute ab 18 Jahren, die von der Jugendfeuerwehr zu uns kommen.“ Die Feuerwehr-Neulinge müssen zunächst einen Lehrgang über drei Monate hinweg absolvieren. „Bei den 18-jährigen fällt dieser manchmal direkt in die Abiturphase. Hier versuchen wir natürlich gemeinsam Lösungen zu finden. In der Vergangenheit hat das immer gut funktioniert“, betont Simon Glogowski. Derzeit engagieren sich 58 aktiv in Kirchhellen. „Die Freiwillige Feuerwehr ist 365 Tage im Jahr 24 Stunden für die Bevölkerung da. Wir müssen stets die Einsatzsicherheit gewährleisten. Durch die relativ große Entfernung zur Hauptwache in Bottrop müssen unsere Männer die ersten am Einsatzort sein. Deshalb ist es unabdingbar, dass wir uns auf sie verlassen können“, erklärt Dieter Heidermann. In diesem Jahr verzeichnet die Freiwillige Feuerwehr Kirchhellen mehr Einsätze als in den vergangenen Jahren. 94 Einsätze wurden in diesem Jahr bereits gefahren. Zum Vergleich: In den vorherigen Jahren waren es höchstens 75 Einsätze im gesamten Jahr. „Es ist sehr zeitintensiv. Und bei uns verschwimmen auch mal die Grenzen zwischen Hobby und Beruf. Doch ist es für uns auch eine Berufung“, sagt Simon Glogowski. Sonst wäre das große Engagement wahrscheinlich auch nicht aufzubringen. Denn neben dem wöchentlichen Dienst, den jeder Freiwillige leisten muss, gibt es zahlreiche Veranstaltungen im Dorf, die die Freiwillige Feuerwehr Kirchhellen begleitet. „Wir sind im Dorfleben verankert und gut vernetzt mit anderen Vereinen und Organisationen. Das ist das Schöne in Kirchhellen, die ehrenamtlichen Gruppen unterstützen sich gegenseitig“, sagt Dieter Heidermann und fügt hinzu. „Im Dorf kennt man uns und die Freiwillige Feuerwehr hat in Kirchhellen auch Tradition. Ich denke, dass so auch viele Jungen durch ihre Väter zu uns kommen und so die Tradition aufrecht erhalten.“ gj/kb