Foto: Gundis Jansen-Garz

Würdevoll vom Tier Abschied nehmen

Tierarzt Dr. Christian Wüst hat einen Verabschiedungsraum in seiner Praxis eingerichtet – Tierbesitzer danken es ihm

Gladbeck - Wenn es nicht mehr geht, muss ein Tier von seinem Leid erlöst werden. Der verantwortungsvolle Besitzer geht zum Tierarzt und dort wird dann im Ernstfall die Einschläferung vorgenommen. Für viele Tierliebhaber ein einschneidendes, familiäres und trauriges Ereignis. Umso schöner ist es, wenn das Sterben des Hundes, der Katze, des Kaninchens oder des Vogels nicht „mal eben zwischendurch“ auf dem Edelstahltisch der Praxis erledigt wird, sondern wenn Tier und Besitzer die Möglichkeit gegeben wird, in Ruhe voneinander Abschied zu nehmen.

„Mittlerweile hat das Haustier einen komplett anderen Stellenwert, nämlich den eines (fast) gleichwertigen Familienmitglieds. Das kann ich selber so als Tierhalter bestätigen und ich verstehe ebenfalls, dass der Verlust des geliebten Tieres eben alles andere als Routine darstellt“, sagt Christian Wüst. Und um diese Routine entgegenzutreten, gibt es nun für die Patienten von Dr. Wüst die Möglichkeit, den Raum des Abschieds für das Unumgängliche zu nutzen. Abseits des Praxistrubels darf hier getrauert und auch geweint werden. „Auch ist es vielen Tierbesitzern unangenehm, im Beisein anderer zu weinen. Im „Raum des Abschieds“ fällt das hoffentlich etwas leichter.“
Mit Kerzenschein und Räucherstäbchen, roten Vorhängen und afrikanischer Dekoration, einer Ledercouch und alten Apothekenschränken lässt sich der eigentliche Anlass ein wenig vergessen. Die Bilder an der Wand thematisieren die Liebe und das Vertrauen zwischen Mensch und Tier und die Vergänglichkeit des Lebens. Alles ist aufeinander abgestimmt in diesem Raum, der Ruhe ausstrahlt.
Ein weitere Aspekt des Abschiednehmens vom geliebten Haustier ist das, was danach geschieht. Nicht jeder hat einen großen Garten, um das Tier dort vergraben zu können. Es gibt viele Möglichkeiten – vom Hundefriedhof bis zur Einäscherung. Christian Wüst: „Bei uns sind die Tiere nie zum Abdecker gekommen, sondern immer ins Krematorium. Auch wenn den Besitzern egal ist, was gemacht wird. Mittlerweile gibt es jedoch vermehrt Anfragen nach Urnen für Tiere. Deshalb habe ich eine kleine Ausstellung im Vorraum eingerichtet, um zu zeigen, was möglich ist.“ Beispielsweise kann die Asche auch in einen Kettenanhänger oder Bilderrahmen gefüllt werden. Das ist unauffällig und dennoch ist das geliebte Tier weiterhin in der Nähe des Menschen. Christian Wüst legt Wert darauf, dass es nicht zu seinem Kerngeschäft werden wird, Einschläferungen vorzunehmen: „Ich möchte lediglich den Wünschen meiner Kunden gerecht werden. Und die bisherigen Rückmeldungen geben mir das Gefühl, dass der Raum gut ist.“ gj


Tierarzt Dr. Christian Wüst, Lötzener Str. 1, Telefon (02043)  42868, www.tierarzt-wuest.de.

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