Zwischen Nostalgie und Leidenschaft

Hedwig Schulte-Kellinghaus sammelt seit Jahren traditionellen Osterschmuck mit dem sie ihr ganzes Haus dekoriert

Ein Faible für besondere Dekoration hat Hedwig Schulte-Kellinghaus schon immer gehabt und das sieht man dem gemütlichen Bauernhaus auch an. Keine Ecke, die nicht liebevoll dekoriert und geschmückt ist. Das alles irgendwie zueinander passt, hat sich im Laufe der Jahre so entwickelt. „Ich habe 35 Jahre Flohmarkterfahrung, da habe ich viel gelernt und den Unterschied zwischen billig und günstig erfahren“, sagt Hedwig Schulte-Kellinghaus. Aufgewachsen auf dem Bauernhof – sie ist eine geborene Kleine-Wolthaus – liebte sie es, auf dem Hof mitzuhelfen, was ihr auch später zugute kam, als sie nach Hardinghausen auf den Hof Schulte-Kellinghaus einheiratete. „Mein Mann hat mich immer machen lassen und meinen Sammeltick unterstützt, solange ich trotzdem meine Arbeit im Haus und im Stall erledigt kriegte.“

Und das schaffte sie immer, denn danach war Zeit für´s Dekorieren. 1972 fuhr sie das erste Mal zu einem Antikmarkt und kaufte zwei Rollen Leinen, aus denen sie und ihre Schwester Decken nähten. Damit begann die Leidenschaft für das Trödeln und Sammeln. „Durch halb Europa bin ich gefahren – Wien, Prag, Ostdeutschland. Nach der Wende gab es zunächst einen unglaublichen Boom. Da hat man richtige Schätze ergattern können. Das gibt es heute gar nicht mehr“, erinnert die 67-Jährige sich gerne an die Zeit zurück, in der sie sich frühmorgens um vier oder fünf Uhr auf den Weg machte, um zu Flohmärkten zu fahren. Im Laufe der Zeit wurden so Bekanntschaften geschlossen, Adressen und Termine von Anbietern austauschten.

„Der Großteil meiner Sammlung ist Volkskunst, das sind keine besonders wertvollen Dinge, sondern Andenken und Sammlerstücke“. Das älteste Osterei stammt aus dem Jahr 1918 – ein rotes Ei aus Budapest mit Widmung; oder der Osterhase und das Huhn aus dem Jahr 1920. Die Qualität ist noch gut erhalten, das Ei ist mit Seide umspannt und diente als Verpackung für ein Präsent zu Ostern, auch mal als Liebeserklärung genutzt. Heute gibt es viele dieser Dinge nur noch im Museum zu sehen, käuflich sind sie nicht. Aber nicht nur Osterschmuck sammelt Hedwig Schulte-Kellinghaus. In einer Ecke ist es noch ein wenig weihnachtlich, denn nach alter, traditioneller Weihnachtsdeko ist sie auch ganz verrückt. Baumschmuck und Nikoläuse stehen bei ihr hoch im Kurs. Noch heute fährt sie hin und wieder mit ihrer Schwester oder der Tochter los – und wenn es meist nur zum Gucken ist. Denn auch wenn das Haus eigentlich voll zu sein scheint, es könnte ja noch mal etwas ganz Besonderes ergattert werden. gj

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